Die Kritik an der geplanten Streckenführung der neuen S-Bahnlinie S 21 wird nicht leiser[1]. Die Roma-Community befürchtetet Schäden am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma[2] in Europa. In einem Einwendungsschreiben vom 23. Juli fordern Vertreter*innen unmissverständlich »eine alternative Trassenführung für den Bau der S 21, die den Gedenkort unbeschadet lässt«. Die vorliegenden Pläne seien angesichts eingepreister massiver Beschädigungen am Denkmal »ein politisch skandalöses Versagen der Gedenkkultur in Deutschland«.
Konkret geht es um Bäume am Rande des Gedenkortes. Für die Bauausführungen müssten einige von ihnen gefällt werden. Die Beschwerdeführer*innen weisen darauf hin, dass der Künstler Dani Karavan, der das Denkmal entworfen hatte, den Baumbestand als Teil des Denkmals verstanden hatte: Der alte Baumring würde das »Wasserbecken optisch und akustisch einhegen«. Die geplante Tunnelführung am Denkmal vorbei, würde nur einen Meter unterhalb der Erde keine ähnlich großen Bäume mehr zulassen. »Zudem wären die Erschütterungen durch jede durchfahrende S-Bahn deutlich spürbar«, von einem Ort des stillen Gedenkens könne dann keine Rede mehr sein.
Im laufenden Planfeststellungsverfahren für die Linie, die die Berliner Nord-Süd-Bahn entlasten soll, läuft die Beschwerdefrist am 26. Juli aus. Eine ursprünglich geplante Trasse in Bundestagsnähe war am Widerstand von dessen Geschäftsführung aufgegeben worden. Die nun geplante Variante unterhalb des Denkmals wollen die Roma-Community und ihre Unterstützer*innen noch verhindern. Dass sie damit, wie der Bundestag, beim federführenden Verkehrssenat und bei den Planer*innen der Deutschen Bahn, Erfolg haben könnten, ließ sich bisher nicht erkennen. Die Hoffnungen ruhen nun auf den Prüfer*innen des Eisenbahnbundesamtes.
Unter den 138 Unterzeichnenden des Schreibens sind neben Vertreter*innen von Romaverbänden wie Romatrial und der Bundesvereinigung der Sinti und Roma, auch Verantwortliche der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie die Hinterbliebenen des 2021 verstorbenen Urhebers des Denkmals Dani Karavan. Auch internationale Prominenz aus Politik, Kultur und Wissenschaft hat ihre Unterschriften unter das Beschwerdeschreiben gesetzt.
Ihre Einwände beziehen sich auf die seit Ende Mai öffentlich einsehbaren Planungsunterlagen. Diese offenbarten einen noch verheerenderen, irreversibleren Eingriff in das Denkmal als zuvor angenommen, heißt es. Dementgegen hatten sowohl der Berliner Senat, die Bundesregierung und die Deutsche Bahn betont, die Kritik in den letzten Planungsständen berücksichtigt zu haben, das Denkmal werde baulich nicht mehr beeinträchtigt.
Äußerungen des Antiziganismusbeauftragten der Bundesregierung, Mehmet Daimagüler, hatten zuletzt schon darauf hingedeutet, dass die gegenwärtigen Pläne einen Großteil der Roma-Community nicht mit den S-Bahnplänen versöhnen würden. Bei der damaligen Verkehrsenatorin Manja Schreiner (CDU) hatte Daimagüler auf einen Mediationsprozess gedrängt und eine Sensibilität angemahnt, wie sie bei einem Mahnmal für im Nationalsozialismus ermordeten Jüd*innen gewöhnlich der Fall sei.