Er war derjenige, der 2015 für den Iran maßgeblich das Atom-Abkommen[1] aushandelte. Nun ist Mohammad Dschwad Zarif, Irans Außenminister von 2013 bis 2021, wieder zurück auf der politischen Bühne, diesmal als Stellvertreter des neuen Präsidenten[2] Massud Peseschkian. Zarif solle sich strategischer Fragen annehmen, »wichtige nationale und internationale Entwicklungen[3]« überwachen, erklärte Peseschkian in dem am Donnerstag veröffentlichten Ernennungsschreiben.
Exekutive und internationale Erfahrung, die seinem Boss fehlen, hat der 64-Jährige dafür, sogar reichlich: Er wirkte von 1992 bis 2002 als Vizeaußenminister unter den Präsidenten Ali-Akbar Rafsandschani und Mohammad Khatami, saß von 2002 bis 2007 als UN-Botschafter in New York und wurde am 4. August 2013 vom damaligen reformorientierten Präsidenten Hassan Rohani für das Amt des Außenministers nominiert.
Peseschkian[4] hat angekündigt, den Iran aus der »Isolation« holen[5] und das Atomabkommen wiederbeleben zu wollen, um die verhängten Sanktionen aufzuheben. Dafür könnte der Vollblutdiplomat Zarif der richtige Mann sein. Er kennt die Materie und die damaligen Verhandlungspartner, hat in den USA an der University of Denver Internationales Recht und Politikwissenschaft studiert.
Das Etikett »moderater Technokrat«, das ihm manche aufkleben, passt zu einer Person, die zwar keine Scheu vor inoffiziellen Gesprächen mit US-Diplomaten hat, aber zugleich explizit hinter der Islamischen Republik Iran und ihren Zielen steht, nachzulesen in einer Autobiografie, die er schon 2014 veröffentlichte. Viel Spielraum wird er in seiner neuen Funktion nicht haben: Im April 2021, noch als Außenminister, wurde ein Interview geleakt, in dem Zarif die Einmischung der Revolutionsgarden in die iranische Außenpolitik[6] kritisierte. Cyrus Salimi-Asl