Der Pragmatismus hat Einzug in den Schuldienst gehalten. Die Zahl der Quer- und Seiteneinsteiger[1] ist in den vergangenen Jahren beständig gestiegen. Inzwischen ist jede zehnte Lehrkraft nicht über ein reguläres Lehramtsstudium an die Schule gekommen. Die Entwicklung ist der Not geschuldet. An den Schulen fällt wegen des Lehrkräftemangels zu viel Unterricht aus.
Problematisch beim Quer- und Seiteneinstieg ist allerdings, dass es bundesweit bislang keine einheitlichen Standards für die Ausbildung gibt. Je nachdem, wie dringend der Bedarf ist, desto mehr werden die Anforderungen für den Einstieg von den Ländern heruntergeschraubt.
Noch besorgniserregender ist aber, dass immer weniger junge Menschen ein reguläres Lehramtsstudium aufnehmen. Das Image des Berufs hat offenbar arg gelitten. Und dramatisch ist, dass annähernd die Hälfte der Studierenden, die sich doch fürs Lehramt entschieden haben, wieder abbrechen[2]. Der Reformbedarf des Studienganges ist offensichtlich. Viele Studierende wünschen sich eine bessere Betreuung an der Uni. Auch der Stress, dem Referendare ganz bewusst ausgesetzt werden, um sie zu prüfen, muss modifiziert werden.
Leider trifft die Politik allzu oft Entscheidungen, die Situationen noch verschlimmern. In Berlin etwa werden Referendare jetzt per Anordnung zu mehr Schulstunden verpflichtet[3], um den Unterrichtsausfall zu verringern. Das erhöht den Druck für sie und trägt nicht dazu bei, dass die Bedingungen für die Ausbildung besser werden.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1184644.notstand-in-der-schule-mangelverwaltung.html