Das Männchen unter den Gorillas im Berliner Zoo ist daran zu erkennen, dass es wie eine Miniaturversion des fiktiven Ungeheuers King Kong aussieht. Die Weibchen sind deutlich kleiner, haben im Vergleich zum Männchen keine Beule am Kopf und schimpfen auch nicht so vor sich hin.
»Er ist angepisst von den ganzen Kameras«, sagt ein Mitarbeiter des Berliner Zoos und deutet auf die vielen Pressekameras, die mit Stativ vor dem Außengehege insbesondere kleinen Zoo-Besucher*innen die Sicht auf die Tiere versperren. Um das Gehege herum stehen auch drei kleinere Überwachungskameras. Doch diese störten die Gorillas nicht, versichert der Mitarbeiter. Ob sie das wirklich nicht stört, konnten die Gorillas nicht selbst beantworten. Vielleicht in ein paar Jahren aber, wenn künstliche Intelligenz bis dahin die Mimik der Tiere besser interpretieren kann.
Denn genau für diesen Zweck stehen die drei Kameras seit etwa sechs Wochen im Berliner Zoo[1]. Studierende des Hasso-Plattner-Instituts entwickelten das System »Gorilla Tracker«, mit dem sie einzelne Tiere in der Wildnis auf Videoaufnahmen identifizieren und über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen können. So wollen sie unter anderem Bewegungen, Gesichtsausdrücke, Territorialverhalten und Populationsbestände erfassen, um Gorillas frühzeitig vor Seuchenausbrüchen und anderen Krankheiten zu schützen. Denn Abholzung und Klimawandel sind nicht die einzigen Feinde der Tiere: So löschte etwa ein Ebolaausbruch 70 bis 80 Prozent der Population von Flachlandgorillas aus.
Im ausgewerteten Videomaterial der Gorillas im Odzala-Nationalpark in der Republik Kongo seien lustige Momente dabei, sagt ein Student, der am »Gorilla Tracker« mitarbeitet. Es sei ein bisschen so, als gebe er sich Reality-TV. So kletterten Jungtiere oft herum oder spielten und alberten miteinander. Kopulation habe er noch keine gesehen, gibt er auf eine Frage zurück. Sein Kommilitone springt ihm zur Seite: »Vielleicht haben sie nur keinen Sex an den Futterstellen.«
Die Testphase der Gorilla-Überwachung im Berliner Zoo[2] läuft noch bis Ende September. Sollte die KI erfolgreich sein, wollen die Forscher*innen die Kameras auch im Kongo einsetzen. Es hat darüber hinaus das Potenzial, als Modell für andere Primatenarten zu dienen.