»Wir sind personell gut aufgestellt«, sagt Sportdirektor Stéphane Richer einen in dieser Branche typischen Satz. Doch der »Kaderschmied« der Eisbären Berlin fügt hinzu: »Der starke Kader der letzten Saison ist im Wesentlichen zusammengeblieben und wurde punktuell verstärkt.« So verließen sieben Spieler das Meisterteam[1]: »Doch es war keiner darunter, den man unbedingt hätte halten wollen«, sagt Richer. Arg vermisst wird allerdings Topangreifer Tobias Eder, bei dem unlängst bei der sportmedizinischen Untersuchung ein bösartiger Tumor diagnostiziert wurde.
Optimistische Töne sind auch vom Cheftrainer Serge Aubin zu hören, der vom »personellen Zugewinn« spricht und hervorhebt: »Wir haben mit den Neuzugängen verschiedene Spielstile verpflichtet. Sie sind alle wichtig für uns.« Kein Wunder, dass Topstürmer Leonhard Pföderl die Mission »elfter Titel« der Eisbären mit der Kampfansage an die Konkurrenz verbindet: »Wenn du Meister bist, ist ein zweiter Platz kein Erfolg.«
Tatsächlich versprechen die beiden in der Amerikanischen Hockey-Liga (AHL) bestens erprobten Verteidiger Mitch Reinke (USA) und Olivier Galipeau (Kanada) sowie die drei Angreifer Liam Kirk (Großbritannien), Gabriel Fontaine (Kanada) und der aus der DEL2 von Weißwasser nach Berlin gewechselte Matej Leden eine Verstärkung.
Kurz vorm Saisonstart wurde mit dem finnischen Verteidiger Markus Niemeläinen noch ein sechster Neuzugang verpflichtet. Der 1,97 Meter große Defensivspieler hat in der Nordamerikanischen National Hockey League (NHL), der besten Eishockey-Liga der Welt, 43 Partien für Edmonton absolviert sowie 127 Spiele für Edmontons Farmteam in der AHL bestritten. Mit diesen drei neuen Verteidigern soll der Umbau der Abwehrreihen, der durch die mehrwöchigen Ausfälle von Marco Nowak, Korbinian Geibel und Rio Kaiser zwangsläufig notwendig ist, gemeistert werden.
Die schillerndste Figur unter den Neuen ist Liam Kirk. Der Flügelstürmer aus dem nordenglischen Maltby kam 2018 als erster in England geborener Eishockeyspieler in den Talentekreis der NHL. Der 24-Jährige zeigte seine Stärken schließlich beim tschechischen Spitzenklub HC Litvínov und in der britischen Nationalmannschaft. »Liam ist von unseren Transfers der offensivste Spieler. Er hat eine besondere Fähigkeit, Tore zu schießen«, hebt Aubin hervor.
Kirk selbst sagt von sich: »Ich bin mehr Torjäger als Spielmacher, denn es ist meine Mentalität, direkt zu schießen.« Seine Fähigkeiten zeigte er gleich im ersten Auftritt beim Eisbären-Kooperationspartner und DEL2-Team Lausitzer Füchse, als er beim 5:0-Sieg mit zwei Toren und zwei Vorlagen in der Top-Angriffsreihe mit Blaine Byron und Ty Ronning brillierte.
Ihre gewachsene Reife zeigten die Eisbären im Saisonvorfeld vor allem in der sportlich herausfordernden Champions Hockey League (CHL). Nach dem 1:3 beim schwedischen Klub Växjö Lakers eilten sie von Sieg zu Sieg mit 4:1 beim polnischen Meister Unia Oświęcim sowie im heimischen Wellblechpalast gegen Dynamo Pardubice (3:2 nach Penaltyschießen) und Sparta Prag (3:0). Zum Achtelfinaleinzug fehlt nur noch ein Sieg. »Wir haben einen guten Start erwischt und uns von Spiel zu Spiel verbessert«, konstatierte der Cheftrainer und kündigte an: »Wir gehen optimistisch in die Saison. Doch vor uns liegt eine lange Reise.«
Folgt man der Trainerumfrage, so sind die Eisbären klarer Titelfavorit. Titelambitionen hegen auch die Adler Mannheim, die sich personell und finanziell enorm verstärkt haben. Unter ihrem neuen Trainer, dem NHL-erfahrenen US-Amerikaner Dalles Eakins, wollen sie nach fünf erfolglosen Jahren endlich die neunte Meisterschaft feiern. Auch bei den Red Bulls München sind die Erwartungen groß, nachdem ihnen in der Vorsaison unter Ex-Bundestrainer Toni Söderholm als Nachfolger von Erfolgscoach Don Jackson der fünfte Titel versagt blieb.
Auftaktgegner der Berliner sind am heutigen Freitag die gastgebenden Kölner Haie, die seit 2002 keinen Titel mehr gewinnen konnten. Sie haben sich mittlerweile von der Klub-Ikone Uwe Krupp als Coach getrennt und gehen unter dem früheren finnischen Vizeweltmeister Kari Jalonen als Trainer mit Außenseiterchancen in die Saison.
Den langersehnten ersten Heimauftritt der Eisbären, die im Vorfeld über 6200 Saison-Abos verkauft haben, gibt es am dritten Spieltag (27. September) gegen die Augsburger Panther. Die Panther waren in den letzten beiden Spielzeiten eigentlich Absteiger, verblieben aber im Oberhaus, weil der aufstiegsberechtigte DEL2-Meister die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht erfüllen konnte. Auch in dieser 31. Spielzeit wird Augsburg als erster Abstiegskandidat gehandelt.
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Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1185398.eishockey-mission-elfter-titel-fuer-die-eisbaeren.html