nd-aktuell.de / 03.10.2024 / Politik / Seite 1

Polizei und Presse jagen Pro-Palästina-Demonstranten

Vorwurf des Raubes wegen entrissener Israel-Fahne

Reimar Paul
Das Entwenden einer Israel-Fahne gilt in Göttingen als »Raub« (Symbolbild eines Protests in Hagen vom November 2023).
Das Entwenden einer Israel-Fahne gilt in Göttingen als »Raub« (Symbolbild eines Protests in Hagen vom November 2023).

Nach einer Pro-Palästina-Kundgebung am Samstag in Göttingen fährt die Polizei jetzt schweres Geschütz gegen einige Teilnehmer auf. Weil diese einer kleinen Gruppe von Gegendemonstranten eine Israel-Fahne entrissen haben sollen, ermittelt die Polizei unter anderem wegen Raubes, Körperverletzung und Landfriedensbruch. Bei der Fahndung hilft auch die Lokalpresse mit.

Zu der angemeldeten Kundgebung unter dem Motto »Hands off Palestine & Lebanon« hatten sich rund 100 Menschen in der Göttinger Innenstadt versammelt. Unmittelbar daneben postierten sich drei Personen mit einer Israel-Fahne. Auf diese kleine Gruppe hätten sich einige Pro-Palästina-Demonstranten zubewegt, heißt es in einer Mitteilung der Göttinger Polizei: »Durch zwei unbekannte männliche Personen wurde eine Israel-Flagge gewaltsam entrissen.« Trotz unmittelbaren Einschreitens durch Beamte hätten die Täter unerkannt entkommen können.

Augenzeugen bestätigen dem »nd« diese Darstellung weitgehend. Demnach konnten auch die »unmittelbar einschreitenden« Polizisten die Flagge nicht festhalten. Sie sei ihnen unter dem Applaus einiger Demonstranten entrissen worden. Einer der drei Pro-Israel-Demonstranten war der frühere Göttinger Oberbürgermeisterkandidat der Partei »Die Partei«, Matthias Rheinländer. Er sagte dem »Göttinger Tageblatt«, die Polizei habe auf ihn überrumpelt gewirkt.

Im Anschluss hätten sich die Einsatzkräfte laut Rheinländer aber korrekt verhalten. Den Vorschlag der Polizei, selbst eine Versammlung anzumelden, hätten die drei Gegendemonstranten angenommen. In größerem Abstand, getrennt durch mehrere Polizeiwagen, konnten sie der Pro-Palästina-Demo dann folgen. Die »geraubte« Israel-Flagge hatten sie zu dem Zeitpunkt wieder vom Boden aufgelesen.

An der Jagd nach den Beschuldigten beteiligt sich auch das »Göttinger Tageblatt«. Die Zeitung verweist auf im Internet kursierende Videoaufnahmen von der Veranstaltung, auf denen »einer der zwei mutmaßlichen Haupttäter deutlich zu erkennen« sei. Wer ihn kenne, werde gebeten, sich bei der Polizeiinspektion Göttingen zu melden.