Für die Studie zu Einstellungen und Erfahrungen von Polizist*innen in Deutschland[1] hat Ihr Team rund 40 000 Beamte befragt und die Arbeit in 26 Dienststellen in 14 Städten in sieben Bundesländern beobachtet. Ist das bei mehr als 300 000 Polizist*innen in der Bundesrepublik ausreichend für valide Erkenntnisse?
Wir halten die Stichprobe der Online-Befragung für verallgemeinerbar auf die Grundgesamtheit der Polizistinnen und Polizisten in Deutschland. Die Stichprobengröße ist groß, und es ergeben sich keine sehr erheblichen Abweichungen hinsichtlich der Zusammensetzung der Stichprobe im Vergleich mit Angaben aus den Personalstatistiken der Polizeien. Rücklaufunterschiede und kleinere Abweichungen können durch das eingesetzte Gewichtungsverfahren berücksichtigt werden. Die Größe der Stichprobe erlaubt die Absicherung von Befunden durch die Analyse von Untergruppen der Mitarbeitenden. Für die qualitative Auswertung im Rahmen von Expert*inneninterviews wurden insgesamt 160 Gespräche geführt. Dabei wiederholen sich natürlich Antworten in gewisser Weise.
Die Studie zeigt auch, dass nicht alle Polizeibeschäftigten demokratisch-freiheitliche Werte teilen. Wie hoch war der Anteil von Personen mit einem menschen- und demokratiefeindlichen Weltbild?
Nur wenige Polizeibeamt*innen weisen ein konsistent demokratie- und menschenfeindliches Weltbild auf[2]. Das betrifft eine Gruppe im niedrigen einstelligen Prozentbereich, und wir sind noch dabei zu analysieren, welche Gruppen hier besonders auffällig sind. Man kann aber schon sagen, dass Einstellungen problematischer sein können, wenn der Schulabschluss und die Eingruppierung niedriger sind.
Was raten Sie dem Dienstherrn hier?
Wer ein konsistent demokratie- und menschenfeindliches Weltbild aufweist, hat in der Polizei nichts zu suchen. Erkennt der Dienstherr das, müssen diese Beamt*innen aus dem Dienst entfernt werden.
Daneben gibt es einen »klar erkennbaren Personenkreis, der sich nur ambivalent, unentschlossen oder zaghaft zur Unterstützung von Demokratie, Diversität und ähnlichen Themen äußert«. Wie hat sich das konkret manifestiert?
Diese Einstellung hat sich im Rahmen der Online-Befragung dadurch manifestiert, dass auf entsprechende Fragen mit »teils/teils« geantwortet wurde. Die betreffenden Beschäftigten positionierten sich nicht klar, ob sie bestimmten Aussagen zustimmen oder nicht. So antworteten etwa auf die Frage, ob sie der Aussage »Die meisten Asylbewerber kommen nur hierher, um das Sozialsystem auszunutzen[3]« zustimmen, 36 Prozent mit »teils/teils«.
Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie herausfinden konnten, beziehungsweise entsprachen die Ergebnisse Ihren Erwartungen?
Was heißt zufrieden? Wir haben etwas herausgefunden, und jetzt werden wir mit den Ergebnissen umgehen, also diese weiteren Analysen zuführen. Insofern bin ich dankbar, dass die Megavo-Studie weiter gefördert wird. Was die Erwartungen betrifft, so hatte ich keine konkreten außer vielleicht den Verdacht, dass bezüglich der Einstellungsfragen ein ähnliches Antwortverhalten besteht wie bei der sogenannten Mitte-Studie. Die Antworten der Polizeibeamt*innen sollten allerdings besser sein als die der allgemeinen Bevölkerung. Schließlich werden sie geschult und haben im Vergleich zur Gesamtbevölkerung einen höheren Bildungsabschluss.
Was haben die Befragten als positiv an ihrem Beruf geschildert?
Wesentliche Ergebnisse der Studie sind, dass Motivation und Identifikation der Mitarbeitenden der Polizeien des Bundes und der Länder mit dem Job insgesamt recht hoch und vielfältig begründet ist. Im Beruf motivieren am stärksten die gute Kollegialität, Teamarbeit und Zusammenhalt. Ein gut zusammenarbeitendes Team wird gleichzeitig als Resilienzfaktor gesehen. Als Motivationsfaktoren wurden Wertschätzung, Rückendeckung, Förderung individueller Talente, Gehalt und Ausrüstung genannt sowie selbstbestimmtes Arbeiten, Abwechslung und Herausforderungen.
Fürchten Sie nicht, dass Beamte vor der Teilnahme »gebrieft« waren?
Das glaube ich nicht. Zum Beispiel zeigen ja die geäußerten problematischen Haltungen, dass gerade nicht »sozial erwünscht« geantwortet wurde. Wir haben die Leute auch zur Neigung, sozial erwünscht zu antworten, befragt. Hier haben sich keine Auffälligkeiten gezeigt.
Als belastend empfanden viele Befragte enttäuschte Erwartungen mit Blick auf die Wirksamkeit der eigenen Arbeit, zum Beispiel wenn es zu Verfahrenseinstellungen kommt. Welche Belastungen wurden außerdem benannt?
Was ich als Motivationsfaktoren genannt habe, kann zur Belastung werden, wenn es fehlt. Also wenn es eben keine Rückendeckung und Wertschätzung gibt, wenn das Team nicht funktioniert oder die Ausrüstung mangelhaft ist.