Nadia Brönimann wird oft als »bekannteste trans Frau der Schweiz« vorgestellt. Vor 26 Jahren unterzog sie sich vor laufenden Kameras[1] den ersten geschlechtsangleichenden Operationen. Später titelte sogar die Klatschpresse über das Beziehungsleben der heute 55-Jährigen: »Endlich ein Mann, der zu ihr steht«, hieß es; und dann: »Sie ist wieder Single«.
Nach einer persönlichen Krise und Auszeit von der Öffentlichkeit versuchte sie sich als Kosmetik-Verkäuferin. Heute drehen sich die meisten ihrer Instagram-Posts um Werbung für Parfum. Doch der trans Community blieb Brönimann treu. 2022 half sie bei der Gestaltung des Züricher Pride Festivals mit dem Fokus auf Transidentität. Es war auch das Jahr, in dem sie mit Zweifeln über ihre Operationen an die Öffentlichkeit trat.
Vor wenigen Monaten sprach sie in einem Interview vom Wunsch einer »Detransition«[2], also dem Rückgängigmachen ihrer Transition von Mann zu Frau: »Ich bin immer noch Nadia und möchte sie nicht auslöschen. Aber ich habe immer häufiger Lust, mich wieder Christian zu nennen.«
Doch anstatt Lob für diese Offenheit zu ernten, hagelt es Kritik. Denn es scheint, als würde sie persönliche Reue mit politischen Forderungen verknüpfen. So vertritt Brönimann etwa, das Selbstbestimmungsgesetz[3] gebe Jugendlichen zu viel Freiheit[4] und Geschlechtsanpassungen würden zum »woken Lifestyle« verkommen. Jetzt fordert die ehemalige trans Ikone, dass hormonelle Pubertätsblocker nicht an Minderjährige verschrieben werden sollten. Das ist nicht nur Sprech der Anti-Woke-Agenda, es widerspricht auch den Empfehlungen einer jüngst in Deutschland veröffentlichten medizinischen Leitlinie[5], an der 27 Fachgesellschaften sieben Jahre lang gearbeitet haben.