Mit ihren 39 Jahren kann Julia Schramm[1] auf eine umfangreiche Vita zurückblicken. »Politologin, Publizistin, Piratin, Provokateurin, Privilegienmuschi, Post-Gender-Feministin, Politikerin«, so reißerisch wird sie im Klappentext ihres ersten Buches »Klick mich«[2] vorgestellt. Jetzt kommt eine neue Facette in ihrem Leben hinzu: Im Januar wird sie Referentin beim Deutschen Tourismusverband[3]. Dort soll sie die politische Entwicklung in der Reisebranche beobachten und bewerten. Schramm war zuletzt Referentin für die Linke-Fraktion im Bundestag. Jetzt wechselt sie in die Wirtschaft.
Schramm gehört zur ersten Generation, für die eine digitale Existenz selbstverständlich ist. »Mein Name ist Julia und ich lebe im Internet«, schrieb sie in »Klick mich«. Dort könne sie in Rollen hineinschlüpfen, sich Identitäten konstruieren: »Mafiaboss, Barbie, Hitler, Hotelbesitzer und ein kleines grünes Krokodil«, zählte sie auf. Jetzt macht sie also Lobbyarbeit für Hoteliers und Reiseveranstalter.
Neue Freunde unter ihren Genossen wird sie damit wohl nicht gewinnen. Aber es allen recht zu machen, darauf legt sie es ohnehin nicht an. Als sie noch bei den Piraten war, verlobte sie sich, was ihr einen Shitstorm einbrachte. Das wirkte zu bieder für eine flippige Partei. Nachdem sich die Piraten zerlegt hatten, trat sie zusammen mit 35 Parteifreunden in die Linke ein. Sie liebt das Getöse.
Eine Episode hatte sie übrigens mit einer dritten Partei. Von 2005 bis 2009 war sie Mitglied bei den Jungen Liberalen, die erschienen ihr »freiheitlich und zynisch-lustig«, doch während eines Praktikums bei der FDP-Landtagsfraktion in NRW verging ihr die Laune bei den Magenta-gelben.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1186606.tourismus-julia-schramm-als-linke-in-die-wirtschaft.html