Gehandelt wurde er schon im April, berufen erst jetzt: Alex Didier Fils-Aimé wird neuer Interims-Premierminister in Haiti. Er wurde vom Übergangsrat anstelle des bereits nach sechs Monaten geschassten Garry Conille benannt[1]. Ein Beleg mehr dafür, dass der Karibikstaat beim Versuch, zu einer verfassungsmäßigen Ordnung Schritt für Schritt zurückzukehren, nicht so recht vorankommt. Seit dem Mord an Präsident Jovenel Moïse im Juli 2021 hat das Land, das sich mit der Dominikanischen Republik die Insel Hispaniola teilt, kein Staatsoberhaupt mehr; auch das Parlament arbeitet derzeit nicht, da Neuwahlen seit Jahren ausstehen[2]. Stattdessen soll seit April 2024 ein neunköpfiger Übergangsrat die Geschicke lenken und Wahlen ohne Terminvorgabe in die Wege leiten. Dafür benannte der Rat Ende Mai den ehemaligen Unicef-Regionaldirektor Garry Conille als Regierungschef, um sich dann mit ihm immer wieder in die Wolle zu kriegen.
Alex Didier Fils-Aimé ist der Sohn des bekannten Aktivisten Alix Fils-Aime, der unter dem Regime des Diktators Jean-Claude »Baby Doc« Duvalier inhaftiert war. Er selbst hat in Boston Betriebswirtschaft studiert und war später auch Präsident der Industrie- und Handelskammer. 2015 kandidierte er erfolglos für den Senat.
Fils-Aimé soll als Regierungschef sowohl die Armut als auch die Bandengewalt eindämmen, wobei seit Juni eine multinationale Sicherheitsmission unter der Führung Kenias hilft. Allerdings hat die Berufung von Fils-Aimé einen Makel: Das Ernennungsdekret wurde von drei Ratsmitgliedern unterschrieben, die mit schweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert sind. Fils-Aimé startet unter schwierigen Umständen und Conille wurde unter fragwürdigen entlassen.