Deutschlands Wirtschaft droht eine Rohstoffkrise. Das lange Zeit erfolgreiche, aber auch einseitige deutsche Exportmodell basierte auf billigem Erdöl und Gas aus Russland sowie auf ausreichend verfügbaren »kritischen« Rohstoffen aus Afrika und chinesischen Raffinerien. Gleichzeitig wurden so einige Probleme der Industrie mit umweltschädlichen Abfällen und mit der CO2-Bilanz in den globalen Süden outgesourct. Verbrauchern in Deutschland bescherte diese Strategie preiswerte Waren und günstige Energie.
Der andere Preis dafür ist allerdings eine ebenso extreme Abhängigkeit von mehr oder weniger autokratisch regierten Staaten. Diese kann in der aktuellen geopolitischen Gemengelage, nach dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA und dem sich zuspitzenden kalten Wirtschaftskonflikt mit China die deutsche Industrie noch teuer zu stehen kommen. Ihr Verband BDI sieht eine Wertschöpfung von 115 Milliarden Euro bedroht, allein wenn China als Hauptzulieferer bei Lithium und lithiumhaltigen Produkten ausfiele, und fordert mehr »Souveränität«, etwa durch Diversifizierung der Lieferländer.
Eine kapitalistische Antwort auf die Probleme könnte aber auch sein: mehr heimische Produktion, mehr Recycling und vor allem mehr Investitionen der Industrie und des Staates in eine nachhaltige industrielle Zukunft. Ergänzend könnte eine politische Antwort auf die Rohstoffkrise lauten: engere Kooperationen innerhalb Europas. Zu Europa gehören aber auch die Ukraine und Russland mit ihren Ressourcen.