Wann begannen die Planungen für den Zukunftskongress von Future Female Africa?
Ich arbeite eigentlich schon mein Leben lang daran, weil er alles beinhaltet, was mich sehr interessiert. Musik, gute Küche, Kunst und Mode. Spannende Themen, insbesondere wenn es um die Verbindung des globalen Nordens mit dem Süden geht. Jetzt habe ich die Möglichkeit, alles zusammenzubringen.
Die Idee für Future Female Africa kam Ihnen in der Coronazeit. Was war der Anlass?
Ich hörte den Slogan »The Future is Female« (Die Zukunft ist weiblich, Anm. d. Red.) und von der Diskussion zur Rolle Afrikas.[1] Daraus entstand die Idee, ein Netzwerk von Frauen zu entwickeln, das sowohl online als auch im realen Raum funktioniert. Es geht um eine gemeinsame Reise. Wir starteten in Berlin, gingen nach Nairobi[2] und schließlich nach Kampala. Sheros (»Heldinnen«, Anm. d. Red.), wie wir sie nennen, aus dem globalen Süden luden ein und eröffneten den Dialog. Auf dem Kongress am 15. November führen wir das im Kleinen Erprobte nun im Großen zusammen. Und zwar in Hamburg, dem Tor zur Welt. Wo denn sonst?
Welche Frauen reisen an?
Bijou Fortunate kommt zum Beispiel aus Kampala. Eine fantastische Frau, die in Uganda als Unternehmerin im Eventbereich und Managerin im Künstlerbereich arbeitet. Spannend wird, wer aus Hamburg und Umgebung kommt. Dazu gibt es Live-Auftritte, wie etwa von der Musikerin Nneka. Wir wollen die persönlichen Blasen aufbrechen und Räume der Begegnung schaffen. Das Ziel ist, den Kongress jährlich in Hamburg stattfinden zu lassen. Wir werden alles, was wir auf unseren Reisen erlebt haben, zurück nach Hamburg bringen.
Wie ist die Lage für Unternehmerinnen, die in Afrika etwas auf die Beine stellen wollen?
Dass die Finanzierungsmöglichkeiten äußerst gering sind, betrifft auch Frauen im globalen Norden[3], aber im Speziellen in Afrika. Wenn etwas wie der Ukraine-Krieg geschieht, lässt die Aufmerksamkeit für den afrikanischen Kontinent nach, weil Afrika keine Lobby hat. Das ist nicht gut für die Entwicklung einer Zivilgesellschaft. Die meisten Start-ups werden von einzelnen Frauen gegründet. Werden sie krank oder nicht gefördert, ist das Start-up platt. Im nächsten Schritt sind die Förderungen mit vielen Auflagen verbunden. Wie will man sich da entwickeln und aus dieser Situation jemals rauskommen? Es geht um Kontinuität und darum, in Dinge zu investieren, die nicht sofort Erfolg versprechen. Deshalb gibt es Future Female Africa, um auf diese Sheros hinzuweisen.
Wie lautet Ihre Vorstellung von der afrikanischen Küche der Zukunft? In Hamburg wird es »Afro-Futuristic Conscious Cuisine« geben.
Dabei geht es um Ernährungsgerechtigkeit. Wenn wir sonst vom afrikanischen Kontinent reden, dreht sich alles um Ernährungssicherheit. Die Leute sind arm. Aber man fragt ja selten, warum der Teller so leer ist. Der Zugang zu Ernährung ist ein Menschenrecht. Ich kann mich daran erinnern, was es bei meiner Großmutter zu essen gab. Wir hatten eine viel diversifiziertere Ernährungsform. Mittlerweile gibt es oft nur noch gegrilltes Hähnchen als Grundnahrungsmittel. Wie können wir eine Rückbesinnung auf regionale Gerichte mit Kreativität verbinden? Wir wollen das Althergebrachte dekonstruieren und neue Techniken reinbringen. Es ist ein riesiger Markt und leistet einen Beitrag gegen den Klimawandel.
Welche Folgen hat die jetzige Ernährungspolitik?
Es gibt zu viele Monokulturen, die darauf ausgerichtet sind, den internationalen Markt zu beliefern. Ein weiteres Feld ist die Konservierung. Es geht darum, die technischen Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, diese wertvollen Lebensmittel haltbar zu machen.