nd-aktuell.de / 18.12.2024 / Politik / Seite 1

»Wasser ist Leben!«

Miriam Nieto über Strategien in Zentralamerika gegen den Mangel an kostbarem Nass und für eine bessere Ernährung

Interview: Michael Krämer, INKOTA
Setzlinge zum Aufforsten sind ein Grund zur Freude.
Setzlinge zum Aufforsten sind ein Grund zur Freude.

Colectiva Feminista legt großen Wert auf die Aufforstung in den Gemeinden. Warum ist das so wichtig?

Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Bäume sorgen für gute Luft und Schatten. Darüber hinaus schützen sie die Wasserversorgung der Gemeinden. Denn wo Bäume stehen, sickert das Wasser besser in den Boden ein und speist die unterirdischen Wasseradern, aus denen die Gemeinden ihr Wasser beziehen.
Fast alle Gemeinden haben ihre Wasserversorgung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten selbst organisiert, Brunnen gebohrt, Leitungen verlegt und Bäume gepflanzt, oft mit Unterstützung von internationalen Organisationen. Die staatlichen Wasserwerke sind in den ländlichen Gemeinden El Salvadors hingegen kaum präsent, von der Regierung bekommen die Gemeinden kaum Unterstützung. Auch deshalb ist es so wichtig, dass wir hier aktiv werden.

Reicht das Wasser für die Familien in den Gemeinden?

In den meisten Gemeinden ist zumindest genug für die Grundversorgung der Menschen da. Die Menschen können nicht unbegrenzt Wasser verbrauchen, weil die Wasserquellen sonst übernutzt würden. Es ist Teil unserer Arbeit, den Menschen das nötige Umweltbewusstsein zu vermitteln, dass sie die Quellen schützen und mit dem Wasser sparsam umgehen müssen.

Wie kommt das in den Gemeinden an? Und wer pflanzt die Bäume?

Wasser ist Leben! Den Menschen ist dies sehr bewusst. Und so schützen die meisten Gemeindebewohner*innen die für die Wasserversorgung ökologisch wichtigen Flächen. Und wenn wir eine Aufforstungskampagne organisieren, machen immer viele Menschen mit. Wir planen die Aufforstung einige Wochen im Voraus und besprechen das mit den Gemeindeleitungen, die dann für den Tag mobilisieren, an dem die Bäume gepflanzt werden. Das funktioniert gut. Manchmal beteiligen sich auch Schulklassen, das ist dann eine schöne praktische Umweltweiterbildung für die Jugendlichen.

Gibt es bestimmte Baumarten, die Sie pflanzen? Worauf achten Sie bei der Auswahl der Bäume?

Einen Teil der Bäume wählen wir danach aus, dass sie den Böden besonders gut Halt geben und dazu beitragen, dass das Wasser gut in den Boden einsickert. Diese Bäume werden auf ökologisch besonders wichtigen Flächen gepflanzt, in der Nähe von Quellen und entlang von Bächen. Zusätzlich pflanzen wir auch Obstbäume, zum Beispiel Mango-, Zitronen- oder Orangenbäume. Die können die Menschen auch auf ihren Grundstücken anpflanzen. Schon nach wenigen Jahren trägt die Ernte zu einer besseren Ernährung der Familien bei. Ein ausgewachsener Mangobaum kann bis zu 500 Früchte tragen, die über einen Zeitraum von etwa vier Monaten reifen. Andere Obstorten werden in anderen Monaten reif. So haben die Familien über den größeren Teil des Jahres hinweg eine vitaminreiche Ergänzung zur ansonsten eher kargen und oft einseitigen Ernährung auf dem Land. Das ist enorm wichtig, vor allem für die Kinder. Denn viele Kinder in der Region sind mangelernährt.

Wie viele Bäume pflanzen Sie denn in einem Jahr?

Mit Unterstützung von INKOTA haben wir dieses Jahr fast 1900 Bäume gepflanzt, darunter mehr als die Hälfte Obstbäume. Wir hoffen sehr, dass wir das im nächsten Jahr mit Beginn der Regenzeit fortsetzen können. Die Nachfrage ist sehr groß.