Wenn die Ausbeutung von Feldarbeitern auf einen neuen Technologiekoloss übergeht, wird sogar das klassische Kopfgeld »digital«. Dies ist bei Amazon der Fall. Die Untersuchung der Mailänder Staatsanwaltschaft – der 21. im Logistiksektor in nur wenigen Jahren –, hat die Guardia di Finanza dazu veranlasst hat, 121 Millionen Euro bei dem multinationalen E-Commerce-Unternehmen zu beschlagnahmen.
Für den milliardenschweren Amazon-Eigentümer Jeff Bezos sind das nur Brosamen – die aber einen Unterschied für die Arbeitnehmer machen, die nun auf eine reguläre Beschäftigung und angemessene Löhne hoffen können. Die Untersuchung, wie auch die anderen, die von den Staatsanwälten Paolo Storari und Valentina Mondovì durchgeführt wurden, hat den Schleier über die sogenannten »Arbeitskräftepools« gelüftet. Jene Systeme, mit denen sich große Unternehmen Gewinne und wettbewerbsfähige Preise sichern, indem sie Arbeitnehmer über »Filter«-Unternehmen ausbeuten. Ein System, das auch bei den Ermittlungen gegen DHL, GLS, Uber, Lidl und andere ans Licht kam, die wegen der Beschwerden der Basisgewerkschaft SI Cobas durchgeführt wurden.
Mit ihren Ermittlungen haben die Mailänder Richter bereits etwa 600
Millionen Euro von den Steuerbehörden zurückgeholt, 14 000 Arbeitsplätze
stabilisiert und für 70 000 Beschäftigte eine Lohnerhöhung eingeleitet: eine Art
gewerkschaftliche Aktivität durch die Gerichte. Der »betrügerische Mechanismus ist immer noch in Kraft, mit sehr bedeutenden Verlusten für den Fiskus und zugleich zur Ausbeutung von Arbeitskräften, zum Vorteil von Amazon Italia Transport srl«, schreiben die Staatsanwälte Storari und Mondovì in der Beschlagnahmeverfügung.
Bei Amazon wurde der Unterschied durch neue Technologien gemacht, die Software, die die Angestellten der Unternehmen kontrollierte, die im Namen des amerikanischen Unternehmens beauftragt wurden. Mit Hilfe dieser Technologie organisierte Amazon Italia Transport srl den Vertrieb und die Auslieferung von Waren, einschließlich der so genannten letzten Meile, die scheinbar an externe Lieferanten vergeben wurde, in Wirklichkeit aber direkt kontrolliert wurde. Auf diese Weise übte Amazon Italia Transport srl die vollständige Kontrolle über alle Arbeitnehmer in der Lieferkette aus.
Die »Einzelunternehmen, die mit dem Lieferdienst betraut sind, haben bei der
Ausübung der Tätigkeit keinerlei Ermessensspielraum«, schreiben die Staatsanwälte, »da die Arbeiter nur mit dem von ihnen benutzten Computergerät interagieren können, das mit einer Amazon gehörenden Verwaltungssoftware ausgestattet ist, mit der sie die konkreten operativen Anweisungen zur Durchführung der Liefertätigkeit erhalten. Die von Amazon zur Verfügung gestellte Software und die dazugehörigen elektronischen Geräte«, heißt es in den Unterlagen weiter, »sind so konzipiert und eingerichtet, dass sie die Produktivität maximieren, wobei dem Auftragnehmer keinerlei operative Entscheidungsfreiheit bleibt, sondern ihm nur solche Kompetenzen wie die Organisation von Schichten und die Zahlung von Löhnen verbleiben«.
Die von Amazon Italia Transport entwickelten Algorithmen ermöglichten auch die Erstellung von sogenannten Manifesten, die den einzelnen Kurieren
regelmäßig zugestellt und in denen die Arbeitszeiten vermerkt wurden, wie zum Beispiel die Zeit zwischen einer Lieferung und der nächsten, die Ankunfts- und Abfahrtszeit am Lieferort oder die Einhaltung der vom Prime-Kunden gewählten Lieferzeiten. Nach den von den Mailänder Richtern eingeholten Zeugenaussagen wird »die Zeit für die materielle Ausführung der Zustellung des Pakets an den Kunden von der Software einheitlich auf drei Minuten beziffert«.
Der Text ist am 24. Juli 2024 in »il manifesto« (Italien) erschienen. Der Beitrag wurde mit KI-Programmen übersetzt, nachbearbeitet und gekürzt.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1187869.amazon-digitale-zwangsarbeit.html