Dieses Jahr wird schlimm. Ich bin nicht die Einzige, die sagt, dass sich 2024 angefühlt hat wie zwei Jahre in einem: Wir hatten nicht nur wieder das heißeste Jahr seit der Wetteraufzeichnung, sondern auch das erste Jahr wo die 1,5-Grad-Grenze gerissen wurde.
Als Klimaaktivistin in Deutschland[1] fällt es mir unglaublich schwer, ist fast unmöglich, bei dieser Weltlage positiv zu bleiben und weiterzukämpfen. Immer wieder habe ich bemerkt, wie ich nach dem Lesen elendiger Push-Nachrichten auf meinem Handy in einen Schock verfalle. In Panik. In Gedankenspiralen. In das sogenannte Doomscrolling, also ein exzessives Konsumieren negativer Nachrichten.
Und auch wenn ich es unerträglich finde: Ich bin froh, dass mein Herz das noch kann, wenn diese Realitäten, Bilder, Nachrichten doch so alltäglich werden. Nur indem wir in unserem Kopf und in Gesprächen Raum für unsere Ängste, unseren Ärger und unsere Empörung schaffen, brechen wir mit dieser neuen Normalität. Trotzdem ist es schwer, nach diesen Gefühlen nicht in Apathie und Nihilismus zu verfallen. Gerade in unseren Gruppen, in unserer aktivistischen Arbeit tendieren wir dazu, aus unserem Ärger heraus zu handeln, was oft reaktionär und nicht nachhaltig ist.
Wir handeln aus einer alles einnehmenden Angst, Wut und Dringlichkeit, was dazu führt, dass wir uns in die Arbeit stürzen, uns überarbeiten, bis wir ausbrennen und nicht mehr können. Im schlimmsten Fall uns geschlagen geben. In Zynismus verfallen. Diese Gefühle sind real und valide. Viele haben sich schon mit der Klimakatastrophe [2]arrangiert, sehen keinen anderen Ausweg.
Ich habe mit Freund*innen gesprochen, die in anderen Bereichen politisch aktiv sind, die sagen, dass sie die Arbeit rund um die Klimakrise zu deprimierend[3] und aussichtslos finden. Dass wir zu spät dran sind und es besser wäre, wenn die Menschheit verrottet und stirbt. Dem würde ich einerseits direkt zustimmen, andererseits wird die Menschheit so schnell auch nicht sterben. Stattdessen nutzen einige wenige Menschen diese Krisen aus – wollen, dass wir uns genau so fühlen. Damit wir am Ende nur an unseren eigenen Arsch denken und nicht mehr an die Menschen, die am meisten unter den Katastrophen leiden oder an Generationen, die noch kommen werden.
Doch die Wahrheit ist: Es ist nie zu spät. Ich glaube fest daran, dass wir die Veränderung erreichen können, die befreite Gesellschaft, die wir wollen, wenn genug Menschen zusammenkommen, die willig sind, daran zu arbeiten. Menschen, die selbst die Hoffnung schaffen, die wir brauchen. Doch gerade sind es zu wenige. Wir müssen mehr werden, um diese Arbeit gerechter aufzuteilen. Um selbst nicht immer wieder aus der Not heraus dieselbe Kultur zu wiederholen, die wir eigentlich überwinden wollen.
»Hustle Culture«, also Arbeiten bis zum Umfallen, und Konkurrenzdenken haben längst Einzug genommen in unsere politische Arbeit. Wir selbst sind dafür verantwortlich, dass diese Arbeit auch Raum schafft für Freude, Liebe, radikale Zärtlichkeit und Imagination. Nur so werden wir mehr. Dieses Jahr – das wissen wir alle – werden wir die Lust auf eine andere Welt feiern.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1187922.klimakrise-es-ist-nie-zu-spaet-fuer-klimaaktivismus.html