Mit Lärm und Licht vertreibt man heute keine Geister mehr. Ein Mythos, so wie Silvester als beschauliches Familienfest? Nicht ganz, aber seit einiger Zeit bringt Neujahr eine neue Tradition mit sich: Rettungskräfte im Ausnahmezustand und Böllerunfälle statt »Dinner for One«. Nicht nur die Berliner Stadtreinigung[1] hat nach Jahreswechsel einiges zu tun. Für die Politik gilt es, das Gefühl der inneren Sicherheit und des Vertrauens in die Polizei zu vermitteln.
In Berlin und Brandenburg sind es dieses Jahr vor allem die Vorfälle mit Kugelbomben[2], die die Silvesteraufarbeitung bestimmen. Die Lösung liegt wie so oft in Repression. Inwiefern die von der CDU geforderten Grenzkontrollen wirkungsvoll sind, auch vor dem Hintergrund des bereits bestehenden umstrittenen Einsatzes der Bundespolizei an der deutsch-polnischen Grenze, muss nicht verhandelt werden. Es geht anscheinend nur darum, überhaupt etwas zu fordern – möglichst im Sinne eines starken Sicherheitsapparats[3]. Dass in Schöneberg 36 der friedlich feiernden Bürger*innen, von denen Kai Wegner (CDU) in Bezug auf Böllerverbote spricht, die Silvesternacht nicht in ihren von einer Kugelbombe zerstörten Wohnungen verbringen konnten, verschweigt der Regierende.
Dabei geht es Hobby-Pyrotechniker*innen weniger darum, den bunten Nachthimmel zu genießen. Die Forderung nach zentralen, kommunal oder städtisch organisierten Feuerwerken, die den gefährlichen Privatgebrauch von illegaler Pyrotechnik leichter erfassbar machen, fänden sonst wohl mehr Anklang. Wer selbst knallt, macht auf sich aufmerksam. Das gilt beim Feiern und in der Politik. Auch diesen Aktionismus werden wir wohl nicht so leicht los.