Nach Amtsantritt von Präsident Donald Trump bekommt Kuba die wirtschaftlichen Restriktionen der US-Blockade weiter mit voller Härte zu spüren. Was bedeutet das für die Reisebranche?
Wir haben ja ohnehin keine Touristen aus den Vereinigten Staaten, sondern US-Bürger als Besucher, die nach den dortigen Gesetzen offiziell in Kuba keinen Tourismus machen dürfen. Bereits während der ersten Trump-Administration haben wir uns auf eine solche Lage eingestellt. Ohne Illusionen entwickeln wir unabhängig davon unser Land und diese Industrie, mit den Ressourcen, die wir zur Verfügung haben. Wir schauen nicht darauf, was die USA tun, weil wir uns darauf nicht verlassen können und wollen[1]. Natürlich ist deren Politik für viele US-Bürger bedauerlich, die gern in das Land vor ihrer Haustür kämen, um die Strände, die Kultur und die Begegnungen mit den Menschen dort zu erleben. An uns liegt es nicht, wir sind offen für Gäste von überallher.
Während es die USA ihren Bürgern schwermachen, kommen die Kanadier weiter gern nach Kuba ...
Kanada ist weiter der wichtigste Quellmarkt für unseren Tourismus. Die Kanadier kommen längst nicht nur wegen Sonne und Meer, sondern wollen auch Kuba erleben. Deshalb haben wir Programme und spezielle Produkte entwickelt, um ihnen auch außerhalb der Hotels etwas zu bieten, mit Ausflügen, sportlichen und kulturellen Aktivitäten.
Kuba hat auch neben Havanna und Varadero viel zu bieten. Welche Orte fördert Ihr Ministerium aktuell besonders?
Derzeit entwickeln wir etwa die Insel Cayo Largo vor der Südküste zu Kubas erster, wie es in der Fachsprache heißt, »intelligenter Destination« für nachhaltigen Tourismus. Wir investieren dafür in moderne Technologien und arbeiten dabei mit einer kanadischen Kette zusammen, die das Reiseziel betreibt. Von der Hauptstadt aus ist die Insel mit ihren weißen Sandstränden auch per Flug zu erreichen.
Ihr Land leidet unter einer Wirtschafts- und Energiekrise, die eine hohe Abwanderung zur Folge hat. Wie hält sich da die Touristikbranche über Wasser?
Die Zahl der internationalen Besucher liegt derzeit unter unseren Zielen. Kubas außergewöhnliche wirtschaftliche Situation hat vor allem mit der US-Blockade zu tun[2], die auch Transaktionen sanktioniert, die direkt mit dem Tourismus zusammenhängen. Mit anderen Worten, sie hindert Kuba daran, auf diesem Gebiet normal zu arbeiten, wie andere Länder in der Welt und sogar in derselben Region. Trotzdem vergleicht man uns immer mit Mexiko oder der Dominikanischen Republik. Doch Kuba ist Kuba, und touristisch sind wir wirklich ein einzigartiges Produkt. Wir haben hervorragende Handelsbeziehungen zu Lateinamerika, zu Europa und zu Asien. Unsere Verbindungen mit Karibik-Reiseveranstaltern bauen wir kontinuierlich aus.
Wie profitiert die Bevölkerung vom internationalen Tourismus?
Dieser ist für sie enorm wichtig. Jedes Mal, wenn ein neues Hotel eröffnet wird, werden damit Jobs geschaffen. Es entstehen Ausbildungsstätten zur Qualifizierung der Menschen, die in der Hotellerie tätig sind. Außerdem Einrichtungen zur Kinderbetreuung, damit Beruf und Familie vereinbar sind, und Wohnunterkünfte in der Nähe der Arbeitsplätze. Die Einnahmen aus dem Tourismus fließen in die wichtigsten Sektoren der Wirtschaft unseres Landes und auch in Bereiche wie das Gesundheitswesen. Das Geld wird also dafür verwendet, die Errungenschaften der Revolution zu erhalten[3]. Bildung und Gesundheit sind in Kuba weiterhin kostenlos. Es ist also ein Beitrag zur Verteidigung der Errungenschaften Kubas und gut für unser Volk.
Welche Rolle spielt dabei der wachsende Privatsektor?
Dessen Angebote sind ein wichtiger Baustein in verschiedenen touristischen Programmen. Das betrifft etwa private Unterkünfte oder Freizeitangebote. Es gibt eine Menge lokaler Initiativen und Projekte. Es ist für die Destination Kuba eine Bereicherung, wenn Besucher solche Möglichkeiten haben und zum Beispiel eine Stadtrundfahrt mit den so beliebten amerikanischen Oldtimern unternehmen.
Worin sehen Sie die besonderen Stärken des Reiseziels Kuba aus Sicht der Besucher?
Kuba ist ein sicherer Ort, es ist nicht überlaufen und bietet eine ganze Reihe an Möglichkeiten. Man findet in jeder Ecke einen großen Reichtum an Geschichte, Kulturerbe, Identität. Den Urlaub am Meer kann man mit Besuchen von Städten, Museen oder einer Kaffeeplantage perfekt kombinieren. Mit anderen Worten, es gibt vieles, was Kuba unter den karibischen Inseln hervorhebt. Natürlich gelten auch für uns die Anforderungen der Märkte, hohe Standards und Komfort zu bieten. Es ist schließlich Ihr Urlaub.
Auf ihrer diesjährigen Tourismusmesse wird China das Gastland sein. Welche Erwartungen sind damit verbunden?
Die westlichen Sanktionen haben sich negativ für uns ausgewirkt, indem der Zustrom russischer Touristen gebremst wurde. Wir suchen nach Lösungen, aber es besteht kein Zweifel, dass die kubanische Wirtschaft und der Tourismussektor im Besonderen betroffen sind. Was China angeht: Wir bemerken ein großes Interesse an Kuba auf dem chinesischen Reisemarkt. Es gibt dort eine wachsende Zahl an Veranstaltern, die Kuba in ihrem Programm haben, und jetzt auch eine direkte Flugverbindung. Die Chinesen kommen gern nach Kuba und in die Karibik und versuchen dann, in ihrem Jahresurlaub möglichst viel zu sehen. Besonders mögen sie unsere Tabakplantagen, Alt-Havanna und von der Hauptstadt gut erreichbare andere historische Orte. Chinesische Geschäftsleute wollen Handelsbeziehungen knüpfen. Die Messe wird eine Gelegenheit sein, sich auszutauschen und zu sehen, was machbar ist. Wir werden auf der Fitcuba in Havanna vom 30. April bis 3. Mai auch eine große Präsenz lateinamerikanischer Länder und viele andere internationale Anbieter haben.
Wo in Kuba verbringen Sie selbst am liebsten Ihren Urlaub?
Das ist eine gute Frage. Ich komme aus Holguín im Osten, und ich mag den Oriente sehr. Und besonders Holguín, nicht nur, weil ich dort gelebt habe, sondern weil ich dort Ruhe, Vertrautheit und Freunde finde. Da ich für Reisebüros tätig war, hatte ich die Gelegenheit, durch diese Arbeit ganz Kuba kennenzulernen. Es ist voller schöner Orte.