Ende Oktober 2023 sprach ich über eine wackelige Zoom-Verbindung mit dem dort lebenden palästinensischen Journalisten Hossam Schabat über Israels Krieg in Gaza, der damals in eine noch düstere Phase überging. Er redete ruhig, überlegt – obwohl die Welt um ihn herum in Trümmern lag. Schabat berichtete von Familien, die hastig das Wenige zusammenpackten, das ihnen geblieben war. Was er beschrieb, war keine bloße Militäroperation – es war die systematische Zerstörung eines sozialen Gefüges.
Jetzt ist auch Hossam Schabat tot, Augenzeugenberichten zufolge wurde er durch einen gezielten Luftangriff in Beit Lahia getötet. Mit ihm verschwindet eine weitere profilierte journalistische Stimme. Mehr als 170 seiner Kolleg*innen sind durch israelische Bomben getötet worden– viele im Einsatz, viele gezielt. Und dennoch zitiert ein großer Teil deutscher Medien weiterhin unhinterfragt Aussagen der Armee Israels. Selbst linke Redaktionen übernehmen diese Angaben – sogar wenn es dabei um die Tötung palästinensischer Medienschaffender geht. Diese Berichterstattung verharmlost das Töten und Vertreibung oder, im schlimmsten Fall, normalisiert sie gar.
Hossams letzte Worte, von Freund*innen posthum auf Instagram veröffentlicht, lauten: »Wenn ihr das lest, wurde ich wahrscheinlich gezielt getötet (…) Bitte hört nicht auf, über Gaza zu sprechen.« Schweigen ist keine Option. Und es ist höchste Zeit, dass auch deutsche Journalist*innen ihre Routinen in der Berichterstattung über Israel und Palästina kritisch hinterfragen.
Kontext: Im Norden des Gazastreifens ist der für Al-Jazeera arbeitende Journalist Hossam Schabat bei einem Angriff der israelischen Armee getötet worden. Die von der Hamas kontrollierte Zivilschutzbehörde bestätigte seinen Tod. Sein Auto sei nahe Beit Lahia von einer israelischen Kampfdrohne getroffen worden. Israel behauptet, Schabat sei auch ein Scharfschütze der Hamas gewesen. Agenturen/nd