Ist sie das feministische Feigenblatt in der neuen syrischen Regierung oder Aushängeschild einer sich auf Inklusion verpflichtenden Regierung[1]? Hind Qabawat, Frau und Christin, wird die neue syrische Regierung verstärken als Ministerin für Soziales und Arbeit. Da freut sich der Westen, dürfte sich in Damaskus der Machthaber Ahmad Al-Scharaa[2] gedacht haben, als er sie ins neue Kabinett[3] holte – als einzige weibliche Ministerin.
An Qualifikation und Netzwerken mangelt es der 51-Jährigen sicher nicht: Qabawat kann ein Hochschuldiplom in Wirtschaft und Rechtswissenschaften der Universität Damaskus vorweisen sowie einen Abschluss der Universität Toronto in Konfliktlösung und Schlichtung. So steht’s im Lebenslauf, den das syrische Präsidialamt veröffentlicht hat.
Mit der Zukunft Syriens, insbesondere der syrischen Zivilgesellschaft nach dem Ende des Krieges, beschäftigt sich Hind Qabawat beruflich schon seit mehreren Jahren. Sie war an der Vorbereitung des Nationalen Dialogs[4] beteiligt, der als eine Art Versöhnungskonferenz der unterschiedlichen Konfessionen und Ethnien[5] Ende Februar in Damaskus stattfand.
Qabawat, die sowohl die syrische als auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, hat in den letzten Jahren diplomatische Bemühungen in Syrien geleitet, um interreligiöse Zusammenarbeit[6], Modernisierung und Reformen zu fördern. Sie führte die »Vereinigung syrischer Frauen in Kanada« in Toronto und hat an allen acht Runden der Friedensgespräche in Genf über Syrien teilgenommen.
»Wir müssen das Vertrauen untereinander stärken[7]«, sagte sie bei Amtsantritt. Ihr nächstes Ziel sei der Aufbau eines Sozialversicherungssystems, »das eine faire Verteilung der Ressourcen gewährleistet«.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1190228.syrien-hind-qabawat-die-vernetzte-ministerin.html