»Für den DFB-Pokal ist es schon zu spät«, erklärt Rainer Frohloff, Ehrenamtskoordinator des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB[1]), lachend. Der ASB stellt zum Beispiel bei Großveranstaltungen ehrenamtliche Sanitäter zur Verfügung. Frohloff sitzt an einem Tisch beim Steglitz-Zehlendorfer »Ehrenamts-Speeddating«, um neue Mitglieder zu gewinnen.
Zehn Organisationen[2] nehmen teil, die sich im Forum Steglitz-Zehlendorf versammelt haben. Fünf Minuten lang haben Interessent*innen Zeit, die Vereine[3] und deren Arbeit kennenzulernen und Fragen zu stellen. Dann ertönt der Gong und es geht auf zum nächsten Tisch. Der Andrang ist groß, beim ASB schleichen gleich mehrere Interessenten regelmäßig vorbei, um einen freien Platz zu erhaschen. Dieser bietet neben Sanitätsdiensten bei Großveranstaltungen auch eine Rettungshundestaffel und den Wasserrettungsdienst. Zurzeit baut der ASB den Katastrophenschutz und die Notfallversorgung aus – dafür will er neue Ehrenamtliche anwerben. Der Katastrophenschutz wird zum Beispiel bei Hochwasser, Stromausfall oder Zugunglücken aktiv und hilft den Behörden und der Feuerwehr. Dann müssen etwa Notunterkünfte eingerichtet und Betroffene versorgt werden. Alleine in Berlin hat der ASB 1000 Ehrenamtler*innen. »Jedes Alter hat die Möglichkeit, etwas zu tun«, so Frohloff.
Diese Möglichkeit nehmen viele Menschen wahr. In Berlin engagiert sich ein Drittel der Bürger*innen ehrenamtlich. Das Bundesministerium für Inneres und für Heimat bezeichnete das Ehrenamt als »Motor der Demokratie«, denn Engagierte übernehmen Verantwortung und bringen die Themen voran, die ihnen am Herzen liegen.
Ein Feld der ehrenamtlichen Tätigkeit ist die Unterstützung von Geflüchteten. Dort ist der Vormundschaftsverein Cura aktiv. Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern in Deutschland ankommen, seien häufig zwischen 14 und 17 Jahren alt, sagt ein Mitglied von Cura am Speed-Dating-Tisch im Forum Steglitz-Zehlendorf. Cura vermittelt zwischen ehrenamtlichen Vormunden und unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten. Denn bis zum 18. Lebensjahr benötigen die Jugendlichen eine rechtliche Vertretung, etwa für Unterschriften für Klassenfahrten oder Anträgen bei Behörden.
»Jedes Alter hat die Möglichkeit, etwas zu tun.«
Rainer Frohloff Ehrenamtskoordinator des Arbeiter-Samariter-Bunds
Aber nicht nur junge Menschen brauchen Unterstützung, auch für ältere Menschen wird ehrenamtlicher Support gesucht: von der Hilfe bei der Bedienung technischer Geräte bei der digitalen Nachbarschaftshilfe des Vereins Mittelhof bis zu einem »Jugendclub« für Menschen über 50. Die Freizeitstätte Süd in Schönow hat zum Ziel, gegen Einsamkeit und Verarmung von älteren Menschen vorzugehen, und erhält dafür vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf finanzielle Mittel. In der Freizeitstätte werden günstige Veranstaltungen angeboten, es gibt Kaffee und Kuchen für ein paar Euro, und der Ort bietet die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen auszutauschen. Die Nachfrage sei groß, sagt ein Mitarbeiter beim Speed-Dating. Pro Monat besuchen zwischen 1300 und 1500 Menschen die Freizeitstätte Süd. Pro Tag werden bis zu acht Ehrenamtliche gebraucht, um die Gäste zu versorgen.
Am Speed-Dating nehmen auch Mitarbeitende des Projekts Ehrenhaft des Vereins Freie Hilfe Berlin teil. Ehrenhaft unterstützt Familien mit Kindern, wenn ein Elternteil in Haft ist. Mit dabei ist ebenso die Initiative Vertrauensstelle des Vereins Selbstbestimmtes Wohnen im Alter, die durch Besuche und Gespräche Senior*innen-Wohngemeinschaften unterstützt. »Gerade in unserer Region gibt es viele wertvolle Initiativen, die auf freiwillige Helfer angewiesen sind«, sagt Tim Richter, Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Soziales in Steglitz-Zehlendorf.