nd-aktuell.de / 19.03.2008 / Wirtschaft und Umwelt / Seite 10

Sie kriegen das Fett weg

Zwei Recycling-Firmen machen Biodiesel aus altem Speiseöl

Volker Stahl, Hamburg
Aus altem Fett Biodiesel herstellen: Eine gute Idee, die in Deutschland von der Politik noch vernachlässigt wird.
Öl: Zuerst sind die Pommes dran, dann das Autofahren.
Öl: Zuerst sind die Pommes dran, dann das Autofahren.

Wer brutzelt, braucht Fett. Was nicht von Steaks, Pommes oder Soja-Bratlingen aufgesaugt wird, bleibt in der Pfanne oder Fritteuse und muss entsorgt werden – vor allem ein Problem für die Gastronomie. Früher landete das Abfallprodukt meist in den Trögen von Rindern und Schweinen. Weil die Verfütterung von Küchen- und Speiseresten einschließlich gebrauchten Speiseöls an Nutztiere seit 2006 verboten ist, müssen andere Entsorgungslösungen her. Eine besonders pfiffige Idee der Unternehmen BioCycling/Vital: Altspeisefett in Biodiesel verwandeln.

Mit Vergnügen reicht Vital-Geschäftsführer Roger Böing den skeptischen Pressevertretern ein hellgelb schimmerndes Fläschchen mit seinem Lieblingsprodukt. Bevor der Erste daran schnuppert, sagt er, was sie erwartet: »Biodiesel riecht chemisch-pharmazeutisch, leicht süßlich.« Ja, sagt der am Ekelfaktor des Themas besonders interessierte Reporter einer großen Boulevardzeitung, der Geruch sei »okay«.

Die im westfälischen Borken sitzende Vital-Fettrecycling, eine Tochter der Petrotec AG, hat sich auf Entsorgungsleistungen spezialisiert. Sie veredelt und bereitet Altspeisefette auf und will zusammen mit dem Hamburger Entsorger BioCycling einen Nischenmarkt erschließen: die Umwandlung von gebrauchtem Brat- und Frittierfett in Biodiesel. »Das ist eine echte Alternative zu den Biodieseln aus Agrar-Rohstoffen wie Raps- oder Palmöl«, sagt Böing. Wohl wissend, dass diese wegen der Zerstörung von Naturlandschaften und Lebensräumen für Tiere in Indonesien, Russland, China und Kanada höchst umstritten sind.

Böing und sein Partner, BioCycling-Chef Torsten Nissen, verweisen auch auf die Vorteile ihrer Produktion: Keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion und die »hervorragende« CO2-Bilanz, da kein industrieller Anbau notwendig ist. Leider ignoriere die Bundesregierung dieses Potenzial in ihrer Gesetzgebung, kritisieren sie und schließen Biodiesel aus Rest- und Abfallstoffen vom attraktiven Beimischungsmarkt aus. Und erhalten Flankenschutz vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). »Die Bundesregierung hat in diesem Punkt eine Blindstelle«, sagt BUND-Verkehrsexperte Werner Reh, »sie hat die Resteverwertung leider nicht auf dem Schirm.« Die Umwandlung in Biodiesel sei eine »gute Sache, das Zeug würde sonst weggeworfen«.

Die Kooperationspartner kalkulieren mit einer Menge von 3000 Tonnen Altspeisefett pro Jahr, die die 60 Mitarbeiter zählende BioCycling bei über 3000 Betrieben in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen entsorgen wird. Zum Sammeln werden den Gastronomen Behälter zur Verfügung gestellt, die regelmäßig abgeholt und gereinigt werden. Anschließend wird das Altfett mit Methanol und einem Katalysator versetzt – Biodiesel und das Nebenprodukt Glycerin entstehen. Aus 3000 Tonnen Altfett produziert die Firmengruppe Petrotec rund 2,8 Millionen Liter Biokraftstoff. Einziges Problem: In Deutschland verhindert ein Gesetz den Einsatz von Biodiesel aus Abfallstoffen. »Deshalb müssen wir in andere europäische Länder wie Holland oder England exportieren«, so Böing.