Jeden Tag treffe ich ihn an der gleichen Stelle. Er trägt ein Schild am Band um den Hals, das ihn als Volunteer ausweist. Mark Weinstein ist einer von 3300 freiwilligen Helfern bei diesen Weltmeisterschaften. Ein Vielfaches hatte sich um diesen Job beworben. Er kommt aus Süddeutschland, sagt er, und ist Student. Mehr will er nicht über sich erzählen, fügt er im freundlichen Ton an.
Dass man den Freiwilligen auf Schritt und Tritt im Olympiastadion begegnet, ist ganz normal. Auch als Helfer im internationalen Pressezentrum, als Ergebnisdienstläufer auf den Pressetribünen, an den Zu- und Abgängen im Stadion und wo sonst überall noch.
Mark Weinstein aber agiert – zusammen mit anderen – weitab vom Schuss: auf dem S-Bahnhof Messe Süd (früher Eichkamp). Hier sieht er nichts vom WM-Geschehen, bestenfalls hört er mal Jubelschreie aus der Ferne.
Er beklagt sich nicht. Er habe halt helfen wollen in Berlin, ohne vorher genau zu wissen, was er konkret machen würde. Nun steht er wie ein aufmerksamer Wächter am Gleis 2 auf dem Bahnhof, zwei S-Bahnstationen von der Haltestelle Olympiastadion entfernt, und gibt Auskünfte, weist die Zuschauer, die von den Parkplätzen Messegelände und Deutschlandhalle kommen, in den richtigen S-Bahnzug ein. Immer höflich.
Ich werde diesem bescheidenen Helfer mal ein WM-Souvenier mitbringen. Berlino vielleicht oder das Autogramm eines Weltmeisters.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/154145.waechter-am-gleis.html