Nach der endgültigen Fertigstellung im Dezember soll mit 700 000 Dünnschichtmodulen eine Leistung von 53 Megawatt erzeugt werden. Das entspricht etwa dem Bedarf von 15 000 Haushalten. Ein wesentlicher Beitrag, die Energiestrategie des Landes umzusetzen, findet Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns. Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien von 10,5 Prozent auf 20 Prozent erhöht werden. Das 160-Millionen-Euro teure Projekt wurde vom rheinland-pfälzischen Projektentwickler Juwi und dem Solarmodul-Hersteller First Solar auf die Beine gebracht. Juwi-Vorstand Matthias Willenbacher sprach von einem »Paradebeispiel für die gelungene Verbindung von Klimaschutz, modernster Technologie und aktivem Naturschutz«.
Ähnliches war von Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke zu hören. Anlässlich der Einweihung des Solarparks sprach er von »einer famosen Verbindung von Klimaschutz und Regionalentwicklung«. Ginge es nach dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), bliebe der ehemalige Truppenübungsplatz der Sowjetarmee bei Lieberose (Landkreis Spree-Neiße) dagegen komplett als Naturreservat erhalten, genauer als sogenannte Prozessschutzfläche.
Auf 27 000 Hektar erstreckt sich eine in Deutschland einmalige Landschaft aus Wäldern, Heidelandschaften, Sandflächen, Mooren und kleinen Seen. Ein idealer Lebensraum für viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Der NABU steht dem »Vorzeigeprojekt« denn auch um Einiges kritischer gegenüber. Zwar sind hypothetische 35 000 Tonnen Kohlendioxid, die Dank des Solarparks Jahr für Jahr eingespart werden, auch für die Naturschützer ein unschlagbares Argument für das Solarkraftwerk. Allerdings sei der Flächenverlust in der Lieberoser Heide riesig, was vor allem bei vielen Vogelarten zu Verdrängungseffekten führe, erklärt Tom Kirschey, Vorsitzender des NABU-Landesverbands Brandenburg.
Der NABU setzt sich für eine 100-prozentige Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland ein. Von daher sei man grundsätzlich auf einer Linie mit den Betreibern der Anlage. Kirschey wünscht sich aber eine dezentrale Ausrichtung der Energiepolitik: »Das Potenzial, sprich große Dachflächen für Solaranlagen, ist in Brandenburg riesig. Zudem würde die Stromerzeugung unmittelbar beim Verbraucher erfolgen.«
Indes lobt Kirschey den Betreiber der Anlage, Juwi, für die hervorragende Arbeit bei der Beseitigung der Hinterlassenschaften der Sowjetarmee, ohne die eine Nutzung des Geländes gar nicht möglich gewesen wäre.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/154455.klimaschutz-versus-naturschutz.html