Wir haben aus dem II. Weltkrieg gelernt, dass wir nichts aus dem I. Weltkrieg gelernt hatten ... Wir haben gelernt, dass diejenigen, die sich am meisten mit der Rettung der Welt vor dem Kommunismus befassen, sie gewöhnlich noch sicherer für den Faschismus machen ... Wir haben gelernt, dass die Deutschen beim ersten Mal knapp davor waren, zu siegen, dass sie beim zweiten Mal noch näher herankamen und todsicher siegen würden, wenn wir ihnen eine dritte Gelegenheit gäben.« Diese »Note of Triumph« sprach am 8. Mai 1945 im US-Rundfunk kein Kommunistenfreund und kein Antideutscher: Norman Lewis Corwin, Protagonist des »golden age of radio«. Die Amerikaner waren begeistert.
Warum haben die Westalliierten das vereinte Deutschland bedrängt, sich nicht nur (schlimm genug) per Scheck an den neuen Kriegen zu beteiligen? Warum verdorrt den Deutschen der Arm nicht, wenn sie wieder Gewehre schultern? Hitler vermied das Wort »Krieg«, als er den Überfall auf Polen verkündete. Von Krieg redet Berlin heute auch nicht. Dass eine rechtsextreme Partei es wieder in einen Landtag schaffte, scheint weniger zu beunruhigen als der Linken Stimmenzuwachs. Eine deutsche Zeitschrift annoncierte eine Erklärung zum Hitler-Stalin-Pakt und den Diktaturen nach '45 in Osteuropa, nicht zum 1. September '39. Gedenkorte an NS-Verbrechen müssen mit jenen ans »SED-Regime« konkurrieren. Nichts gelernt? Siebzig Jahre nach dem größten Morden aller Zeiten.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/154951.nichts-gelernt.html