Es ist beschämend. Seit der Einführung von Hartz IV steigt die Zahl der Obdachlosen drastisch an, bescheinigt die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot. Dabei müsste niemand in dieser reichen Stadt auf der Straße landen – schließlich ist die Kommune verpflichtet, für eine Unterbringung zu sorgen. Doch die lächerlich geringen Beträge des »Hartz-IV-Regelsatzes« reichen bei den seit 2004 gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht aus, um sich einigermaßen über Wasser zu halten. Was viele ahnten, wird zur Gewissheit: Die Hartz-Gesetze forcieren die Armut – und zwar deftig.
Sicher, in Berlin gibt es genug karitative Einrichtungen, die sowohl Übernachtungsgelegenheiten als auch Mahlzeiten bieten. Verhungern muss niemand, der keine Wohnung mehr hat. Es nützt auch wenig, die bittere Not in immer drastischere Worthülsen zu kleiden. Denn neben der puren materiellen Armut sind häufig persönliche Schicksale für den Verlust des sozialen Umfelds und der eigenen Wohnung ursächlich. Ein paar mehr Euro wären da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Vielmehr wäre es angebracht – wie der Bezirk Tempelhof-Schöneberg etwa – unkonventionell und unbürokratisch Hilfe bei den Ämtergängen anzubieten, damit die Leute schnell an das Geld, das ihnen zusteht, rankommen. Die Hürden müssen also gesenkt werden. Denn die nächste Verschärfung ist bereits spürbar: Weil sie in der Finanzkrise ihr Vermögen eingebüßt haben, stranden in der Stadt beispielsweise immer mehr ehemalige deutsche Unternehmer aus Spanien, die dort alles verloren haben.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/156235.huerden-senken.html