Am Tag nach der Entscheidung saß der Frust noch immer tief, doch der Kampfgeist ist noch nicht verschwunden: Claudia Pechstein hat den ersten Schock nach dem frustrierenden Urteil in ihrem Dopingfall scheinbar schnell abgeschüttelt und sich mit einem erneuten Rundumschlag gegen die Zweifel zu Wehr gesetzt.
Die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS am Mittwoch in Lausanne, ihre Zweijahressperre zu bestätigen, sei ein »Justizirrtum des Anti-Dopingkampfes«, ein »Kollateralschaden, der scheinbar im Umfeld aller Verbände und Institutionen hingenommen wird, damit der Anti-Dopingkampf keinen Schaden nimmt. Das Ganze ist der nackte Wahnsinn«, schrieb Pechstein in einer Stellungnahme und gab erneut eine Ehrenerklärung ab: »Ich habe nie gedopt, und ich habe ein reines Gewissen.«
Die 37-Jährige bekam die Folgen des Urteils direkt zu spüren. Einer ihrer wichtigsten Werbepartner, die Deutsche Kreditbank, kündigte den Sponsorenvertrag »auf Grundlage geltender Verträge«. Ein anderer wichtiger Privatsponsor, ein Süßwarenhersteller, steht dagegen weiter zu ihr und will den Vertrag möglicherweise gar verlängern. »Wir werden ihr weiter die Stange halten. Sie ist für uns nach wie vor eine große Sportpersönlichkeit, deren Schuld nicht bewiesen ist«, lautete die Erklärung.
Immer deutlicher zeichnete sich am Donnerstag ab, dass Pechstein auch ein möglicher Erfolg vor dem Schweizer Bundesgericht im Hinblick auf einen Start bei den Olympischen Spielen in Vancouver nicht helfen wird. »Ich werde nicht darüber spekulieren, was ein Bundesgericht in der Schweiz urteilen wird. Für uns ist die Sportgerichtsbarkeit entscheidend«, sagte der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper. Der DOSB, der hinsichtlich der Olympia-Nominierungen das letzte Wort hat, begrüßte das Urteil. »Die Botschaft an alle Dopingsünder ist: Ihr könnt euch nicht mehr sicher sein. Es wird weitere Fälle dieser Art geben«, sagte Vesper am Donnerstag in Frankfurt am Main.
Im Mittelpunkt von Pechsteins Kritik stand DOSB-Präsident Thomas Bach, ohne dass sie ihn namentlich nannte. Bach hatte Pechstein aufgefordert, die Hintermänner zu nennen, die ihr beim Doping geholfen haben. »Was für Hintermänner? Wenn ich nicht gedopt habe, kann es auch keine Hintermänner geben! So einfach ist das«, sagte Pechstein.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/159993.pechstein-will-noch-nicht-aufgeben.html