nd-aktuell.de / 16.03.2010 / Politik / Seite 7

Polen mindestens bis 2013 in Afghanistan

Warschau will dafür NATO-Truppen zu Hause

Julian Bartosz, Wroclaw
Der 11. Jahrestag des Beitritts Polens zur NATO am 12. März 1999 war für Außenminister Radoslaw Sikorski und seinen Kollegen im Verteidigungsressort, Bogdan Klich, ein hinreichender Anlass, zu internationalen Konferenzen einzuladen.

Im nordpolnischen Wegorzewo wurden in der vergangenen Woche Artilleristen der Masurischen Brigade feierlich in die afghanische Provinz Ghazni verabschiedet. Sie werden als Teil der siebten »Schicht« des 2600 Mann starken polnischen ISAF-Kontingents in Kürze abfliegen. Andere polnische Soldaten trainierten in der Gegend um Lublin unter den Augen des ISAF-Oberbefehlshabers Stanley McChrystal für ihren bevorstehenden Afghanistan-Einsatz. Der USA-General lobte, die Truppe sei exzellent auf ihre Mission vorbereitet. Allerdings – so McChrystal – brauche man für den Erfolg in Afghanistan mehr Geld. Polen wird 2010 über 1,3 Milliarden Zloty (rund 350 Millionen Euro) ausgeben müssen, davon laut Oberst Piotr Lukasiewicz vom Verteidigungsministerium ganze 24 Millionen Zloty für das »Wiederaufbauteam« der Provinz, das afghanischen Frauen beispielsweise die Kunst der Teppichherstellung beibringt. Im übrigen brauchten die zu gründenden örtlichen Selbstverwaltungen »Mentoren«, wozu man nach Aussage des Obersten polnische Fachleute anwerbe. »Wir werden ganz bestimmt noch längere Zeit dort sitzen müssen«, mindestens bis 2013.

An den eingangs erwähnten Konferenzen nahmen NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen und etwa 200 polnische und ausländische Experten teil. Zunächst tagte man im Zentrum der Vereinigten NATO-Einheiten in Bydgoszcz, später im Warschauer Schloss. Die »Gazeta Wyborcza« berichtete am Wochenende, in der Debatte über eine neue NATO-Doktrin, die in acht Monaten beim Gipfel in Lissabon auf der Tagesordnung steht, sei es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen »alten« und neuen Paktmitgliedern gekommen. Während Rasmussen argumentierte, dass gute Beziehungen zu Russland sowohl für den Sieg am Hindukusch nötig seien als auch eine Garantie für die Sicherheit aller NATO-Staaten in Europa darstellten, hielten Vertreter Polens und Litauens dagegen. »Partnerschaft muss mit Abschreckung gepaart werden«, forderte Außenminister Sikorski. Die Staaten Mitteleuropas rechneten auf die Solidarität ihrer Partner, nur so fühlten sie sich sicher. Verteidigungsminister Klich ergänzte: Polen brauche unbedingt NATO-Truppen auf seinem Territorium. Wenn Warschau treu zu seinen Pflichten auch in Afghanistan stehe, dürfe man doch erwarten, dass zwischen den »Missionen« und der Verteidigung des gesamten NATO-Raums ein »entsprechendes Verhältnis« besteht. Eine entsprechende Strategie wurde von polnischen Experten erarbeitet und dem NATO-Generalsekretär überreicht.

»Die NATO befindet sich an einem kritischen Punkt der Diskussion über eine neue Strategie«, stellte Bogdan Klich in einer Diskussion fest. Rasmussens Antwort auf die polnischen Bedenken: »Wir werden mehr mobile Kräfte aufstellen.«