Die Form ist weg, das Material veraltet und das Selbstvertrauen im Keller: Ohne Aussicht auf Edelmetall starten Deutschlands Skispringer heute bei der Skiflug-Weltmeisterschaft in Planica in die Einzel-Entscheidung. Angeführt von Michael Neumayer qualifizierte sich das DSV-Quartett gestern zwar für den Wettbewerb, doch konkurrenzfähig waren die deutschen Springer auf der größten Schanze der Welt nicht. »Um die Medaillen springe ich hier nicht«, musste Martin Schmitt nach mageren 180 Metern einsehen.
Damit lag der 32-Jährige gut 50 Meter hinter Weltrekordler Björn Einar Romören. Der Norweger war mit einem Satz auf 230,5 Meter das Maß der Dinge. Doppel-Olympiasieger Simon Ammann aus der Schweiz untermauerte mit 225,5 Metern bei verkürztem Anlauf seine Titelambitionen. Aus deutscher Sicht lieferte Neumayer mit 203 Metern noch die beste Leistung ab, bekannte aber ehrlich: »Nach vorne brauche ich nicht schielen.«
Die DSV-Springer wollen die vier Durchgänge am Freitag ab 15.15 Uhr und Samstag ab 10.15 Uhr als Formaufbau für den Teamwettbewerb am Sonntag nutzen. »Wenn die Überzeugung wächst, können wir noch einige schöne Flüge sehen«, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Immerhin soll die Saison nach Olympia-Silber mit einer weiteren Medaille gekrönt werden. »Es ist keiner mehr in einer übermäßigen Form, deshalb wird es nicht einfach«, schätzte Neumayer die Lage jedoch realistisch ein.
Neben der Form fehlt den Deutschen auch das entsprechende Material, um mit der Weltspitze mithalten zu können. Während ein Großteil der Springer kurzfristig auf ein ähnliches Bindungssystem an den Skiern wie Überflieger Ammann umgestellt hat, wollen die Deutschen erst im Sommer nachziehen. »Man sieht den Effekt, deshalb wird man reagieren müssen. Das ist aber eine größere Geschichte, für die man vier Wochen Zeit benötigt«, so Schmitt. dpa/ND
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/167447.fluegellahm-in-planica.html