Geradezu überschwänglich hat sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) für Aufbauhilfe aus Nordrhein-Westfalen bedankt. »Mit Nordrhein-Westfalen hatten wir einen engagierten, kompetenten und hilfsbereiten Partner, um Brandenburg demokratische und rechtsstaatliche Strukturen in Verwaltung und Justiz zu geben«, schrieb der Ministerpräsident in einem Brief an seine Düsseldorfer Amtskollegin Hannelore Kraft (SPD). Den Anlass bildete das am 27. November 1990 geschlossene »Abkommen über umfassende Zusammenarbeit« beider Länder.
»Viele kamen als uneigennützige und begeisterte Aufbauhelfer nach Brandenburg«, führte Platzeck aus. »Nicht wenige sind geblieben, weil ihnen Brandenburg zu seiner Herzensangelegenheit wurde.« Die Brandenburger bewältigten Platzeck zufolge schwierigste Umbrüche. »Dabei wurden sie gerade zu Beginn durch Hilfsbereitschaft, Erfahrung, Geld und vor allem Menschen aus Nordrhein-Westfalen unterstützt.« Er freue sich auf weiterhin gute Zusammenarbeit, erklärte der Regierungschef.
NRW steht bekanntlich als Abkürzung für Nordrhein-Westfalen. Der Brandenburger Volksmund übersetzte diese Abkürzung nach 1990 allerdings anders. »Nun regieren wir«, hieß es. Das sollte eine Anspielung sein auf jene, die aus dem Partnerland herüberkamen. Etliche tatsächliche und angebliche Aufbauhelfer besetzten hier hohe Positionen. So entfuhr einstmals einem Mitarbeiter der Staatskanzlei, die Schreiber seien aus dem Osten, aber vom Abteilungsleiter aufwärts komme hier jeder aus dem Westen. Blieb die Frage, ob der Mann den damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) also als Schreiber eingeschätzt habe, notierte Matthias Krauß in seinem jüngsten Buch »Hoch über Sumpf und Sand«.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/185201.nun-regierten-rheinlaender-und-westfalen.html