nd-aktuell.de / 07.03.2011 / Sport / Seite 20

Trauriger Abschied

Michael Uhrmann verspielt mit letztem Karrieresprung die Teammedaille

Eric Dobias und

Gerald Fritsche, dpa

Er hätte in die Heldenrolle schlüpfen können, doch am Ende war Michael Uhrmann die tragische Figur. Nachdem der Bayer mit dem letzten Sprung seiner Karriere die sicher geglaubte WM-Medaille im Teamwettbewerb verspielt hatte, standen Deutschlands Skispringer mit versteinerten Mienen im Auslauf der Holmenkollen-Großschanze und schauten den anderen Nationen tief enttäuscht beim Jubeln zu. »Ich hatte mir das natürlich anders vorgestellt. Dass es so ausgeht ist bitter, aber ich kann es nicht mehr ändern. Es tut mir leid«, entschuldigte sich der fassungslose Uhrmann bei seinen Teamkollegen.

Durch Uhrmanns Hüpfer auf 110 Meter musste das zuvor in Führung liegende DSV-Quartett nicht nur Topfavorit Österreich, sondern auch noch Gastgeber Norwegen und Slowenien vorbeiziehen lassen. Weil die Jury den Wettbewerb wegen starken Windes nach dem ersten Durchgang abbrach, fehlte Martin Schmitt, Richard Freitag, Severin Freund und Uhrmann ein halber Meter zu Bronze. »Sieben Zehntel ist sehr knapp. Über dem Springen steht natürlich die persönliche Enttäuschung von Michi Uhrmann. Ich habe ihn noch nie so enttäuscht gesehen. Alles hat nach einem Happy End ausgesehen. Es tut mir leid für ihn, aber es gibt Schlimmeres im Leben«, spendete Bundestrainer Werner Schuster Trost.

Auch Schmitt rang angesichts des dramatischen Absturzes seines langjährigen Weggefährten, mit dem er schon 2002 olympisches Mannschaftsgold gewonnen hatte, nach den richtigen Worten. »Das ist natürlich bitter. Andere waren glücklicher im entscheidenden Moment«, sagte der 33-Jährige.

Anders als Uhrmann, Adam Malysz und Finnlands Altmeister Janne Ahonen, der am kommenden Wochenende beim Weltcup in Lahti zum zweiten Mal nach 2008 zurücktritt, setzt Schmitt seine Karriere fort. »Nächstes Jahr geht es weiter, ich werde wieder voll motiviert angreifen«, kündigte der viermalige Weltmeister an. Doch auch seine Zeit neigt sich langsam dem Ende. »Ich sage nicht, dass es die letzte Saison sein wird, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch«, erklärte Schmitt.

Für Uhrmann war am Samstag endgültig Finito. »Das war mein letzter Sprung«, bestätigte er das sofortige Ende. »Das ist natürlich kein schöner Abschied, aber es macht die 17 Jahre nicht kaputt.«