Ausrufezeichen sollten eher selten verwendet werden, besonders in wissenschaftlichen Analysen, die mit Fakten sprechen sollten. Doch dieses Ausrufezeichen sei gerechtfertigt, sagte Gustav A. Horn, Ökonomieprofessor und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung: »Deutsche Wirtschaft im Aufschwung!« ist das Prognoseupdate des IMK betitelt, das Horn mit seinen Kollegen Silke Tober und Peter Hohlfeld am Montag in Berlin vorstellte.
Danach wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um vier Prozent – die höchste Wachstumsrate seit 1990, so Horn. Damit korrigierte das IMK die eigene Prognose von April um 1,3 Prozent nach oben. Im Jahr 2012 soll das BIP um 2,3 Prozent wachsen.
Die guten Wirtschaftszahlen schlagen sich laut IMK auch in der Beschäftigung nieder. Für 2011 werden 454 000 und fürs nächste Jahr 224 000 weniger Erwerbslose erwartet. Im Jahresdurchschnitt 2012 sinke die Arbeitslosenquote auf durchschnittlich 2,74 Millionen Personen. Am Anfang sei das Beschäftigungsplus noch weitgehend von steigenden Leiharbeitszahlen getragen. Doch je länger der Aufschwung andauere, desto mehr würde die Beschäftigung auch »veredelt«, so Horn. Heißt: Desto mehr Menschen dürften in feste Arbeitsverhältnisse kommen.
»Deutschland profitiert von der kräftigen internationalen Nachfrage, insbesondere aus Asien. Und es erntet weiterhin die Früchte der erfolgreichen Stabilisierungspolitik bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise«, sagte Horn. Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzungen und Konjunkturprogramme hätten Massenentlassungen und damit ein Einbrechen der Binnennachfrage verhindert. So sei Deutschland »mit warmem Motor« aus der Krise gestartet. Das führe auch dazu, dass der Aufschwung nicht wie im letzten Jahrzehnt alleinig auf dem Export basiere, sondern auch nachfragegestützt sei. Diese bessere Balance zwischen Export- und Binnenwirtschaft werde sich vor allem 2012 positiv auswirken. Ein weiterer positiver Faktor seien die hohen Investitionen, die deutsche Unternehmen tätigten.
Bei den Löhnen schlägt sich die gute Stimmung allerdings noch nicht gleich nieder. »Hier ist Luft nach oben«, sagte Horn, der für 2012 »positive Impulse« von der Lohnentwicklung erwartet.
Ein Grund für die gute Entwicklung ist laut IMK die anhaltend hohe Nachfrage nach Gütern »made in Germany«. Seit sieben Quartalen steigen die Exporte. Insbesondere China und andere südostasiatische Schwellenländer importieren, aber auch die EU-Staaten und hier besonders die mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten, die noch nicht zur Eurozone gehören. Ein Exportrückgang sei in die OPEC-Ländern zu verzeichnen. Da früher mit einem steigenden Ölpreis auch die Importe dort anzogen, vermuten die IMK-Forscher, dass sich die politischen Umbrüche stärker auf den Handel auswirken als bislang angenommen.
Die Prognose von vier Prozent basiere darauf, dass es für Griechenland keine Umschuldung gebe und dass sich die Eurozone nicht spalte, betonte Horn. Letzteres schaffe »mehr Probleme als es löse«. Vielmehr müsse Griechenland mit günstigen Krediten geholfen werden »zu wachsen«.
Quelle: IMK
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