Mitunter klingelt das Telefon von Klaus Lüdcke auch nachts, bei ihm zu Hause. Dann rufen besorgte Berliner oder Berlinerinnen an und melden Probleme, die er häufig doch an andere Stellen weitergeben muss, weil er dafür nicht zuständig ist – mal davon abgesehen, dass es feste Bürozeiten gibt, in denen der Tierschutzbeauftragte erreichbar ist.
Gemeinsam mit Umweltsenatorin Katrin Lompscher (LINKE) stellte Lüdcke den diesjährigen Tätigkeitsbericht vor und lobte dabei die Zusammenarbeit mit dem Umweltsenat. Eine Problemstellung, die man in gemeinsamer Arbeit bewältigt habe, sei beispielsweise die Frage gewesen, ob die Stadttauben als Schädlinge zu betrachten seien. »Auch im Streitfall ist eine gute und sachkundige Zusammenarbeit möglich«, so Lüdcke.
In Zusammenarbeit mit Bezirken, Ordnungsamt und Bürgerinitiativen beschäftigt sich Lüdcke als Beauftragter mit sämtlichen Fragen, die in Berlin den Tierschutz betreffen. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz für mehr Hundeauslaufplätze in der Stadt.
Auch die Kothaufen auf den Gehwegen beschäftigen den Beauftragten. »Es gibt Gebiete, da würde auch ich nur mit dem Hubschrauber drüberfliegen.« Die vor allem in der Nähe von Auslaufgebieten aufgestellten Kottütenspender hätten dort das Problem nahezu beseitigt, heißt es im Bericht. Doch in bestimmten Kiezen gucken die Nachbarn weg »und warten auf Ordnungsamt und Polizei«. Laut Bericht hätten sich alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien für die Schaffung von weiteren Auslaufgebieten ausgesprochen, nun sei es an den Stadtbezirken, in diesem Sinne zu handeln.
Laut Bericht machten Anfragen zu Wildtieren und Probleme mit Versuchstieren rund 40 Prozent aus, obwohl der Tierschutzbeauftragte dafür nicht zuständig ist. Insgesamt belief sich die Zahl der Beschwerden, Hinweise und Hilfegesuche auf 1800 Anfragen – zwischen August 2010 und Juli 2011.
Zum Problemfeld »Wildtiere im Zirkus« gingen weitere 450 Hinweise ein. Die Kapazitäten der Geschäftsstelle seien mehr als ausgereizt. Thema des Berichtes ist unter anderem auch die ständige Überlastung des Berliner Tierheimes. Das Land Berlin habe im Jahr 2009 rund 675 000 Euro gezahlt, das Tierheim selbst verbuchte jedoch ein Defizit von 3,6 Millionen Euro. »Affen kosten ein Schweinegeld«, beschrieb Lüdcke leicht überspitzt die Probleme, mit denen sich das Tierheim konfrontiert sieht.
Eine andauernde Debatte dreht sich außerdem um die Bären Maxi und Schnute im Bärenzwinger in Mitte. Immer wieder gibt es dort Anläufe, die beiden Braunbären endlich in ein passenderes Gehege umzusiedeln. Laut Lüdcke bestehe immer noch ein Angebot des Bärenparks Müritz. Doch vor allem Bürgerinitiativen würden gegen eine Umsiedlung protestieren. Eine rechtliche Grundlage für eine Schließung des Zwingers gebe es nach wie vor nicht, betonte Senatorin Lompscher. Hier ist der Bund gefragt. Wie Lüdcke mitteilte, ist im Landwirtschaftsministerium derzeit ein neues Säugetiergutachten in Arbeit, das die entsprechende Grundlage liefern könne.
Der Tierschutzbeauftragte wurde im Juli 2007 von Senatorin Lompscher ins Amt berufen. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich und auf zwei Jahre befristet. Vor Ablauf der ersten Amtszeit wurde die Vereinbarung zwischen Beauftragtem und Senatsverwaltung bis zum 31. Dezember 2011 verlängert.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/204093.affen-kosten-ein-schweinegeld.html