Lange hat es gedauert, am Ende wurde alles gut: Gestern gewann die Leipzigerin Judith Arndt den Weltmeistertitel im Einzelzeitfahren, die Neuseeländerin Linda Melanie Villumsen und Titelverteidigerin Emma Pooley (Großbritannien) verwies sie mit mehr als zwanzig Sekunden Vorsprung deutlich auf die Plätze in einem schwierigen Rennen: Durch den Regen war der verwinkelte Kurs durch Kopenhagen schwierig zu fahren.
Für Judith Arndt war es ein Happy End im Alter von 35 Jahren: Als sie in die Weltspitze vorstieß – anfangs noch auf der Bahn – fing ein gewisser Jan Ullrich gerade seine Karriere an. 1997 war sie Weltmeisterin in der Einerverfolgung, 2004 Olympiazweite im Straßenrennen und Weltmeisterin auf der Straße. Doch im Zeitfahren hatte es bisher nie zum Titel gereicht: WM-Silber 2003, 2004 und 2010. Umso mehr freute sie sich gestern: »Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin.«
Der Sekundenzeiger tickt heute weiter: Am Rathausplatz von Kopenhagen begeben sich 65 Elite-Fahrer auf den 46 Kilometer langen Kurs in der dänischen Hauptstadt, wenn es um den Weltmeistertitel der Männer geht. Das Rennen soll für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) mit einem weiteren Sieg enden, immerhin kommt der beste Zeitfahrer der Saison aus Deutschland: Tony Martin, 26, ausgebildet in Thüringen, Profi beim Spitzenteam HTC Highroad: Nachdem Martin dieses Jahr das Zeitfahren bei Tour und Vuelta gewonnen hat, geht er als großer Favorit auf die 23,2-Kilometer-Runde.
»Silber wäre sicherlich eine Enttäuschung«, sagte Martin gegenüber Journalisten in Kopenhagen. »Ich bin mental stärker geworden«, sinnierte der WM-Dritte von 2009 und 2010. »Ich nehme die Favoritenrolle an.«
Sogar sein größter Konkurrent sieht in Tony Martin den absoluten Topfavoriten. »Tony Martin ist superstark« sagt Fabian Cancellara aus der Schweiz. Anderthalb Minuten nahm ihm Tony Martin beim Zeitfahren der Vuelta vor drei Wochen (47 km) ab. Trotzdem will der 30-Jährige aus Ittigen im Berner Mittelland heute gewinnen und am liebsten auf der Ziellinie fünf Finger in die Luft strecken. Vier Finger konnte er 2010 beim WM-Zieleinlauf in Geelong (Australien) in die Höhe halten, vier Finger für vier Siege. Nach 2006, 2007 und 2009 war Cancellara zum vierten Mal Weltmeister im Zeitfahren geworden. Das hatte vor ihm noch kein Profi geschafft.
Einzelzeitfahren Frauen 27,8 km: 1. Arndt (Leipzig) 37:07,38 Minuten, 2. Villumsen (Neuseeland) 0:21,73 Minuten zurück, 3. Pooley (Großbritannien) 0:24,13, ...11. Teutenberg (Düsseldorf) 0:56,14.
Einzelzeitfahren Junioren 27,8 km: 1. Schmidt (Dänemark) 35:07.68 min, 2. Oram (Neuseeland) + 4,11 s, 3. Edwards (Australien) + 20,79, ... 5. Wasilijew (Deutschland) + 39,01, 15. Zepunkte (Deutschland) + 1:30,34 min.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/207229.goldener-herbst.html