Gütersloh (dpa/nd). Zwar lernen immer mehr Schüler mit Behinderungen an den Regelschulen, doch der Weg zum gemeinsamen Unterricht ist noch lang - und teuer. Nach einer am Freitag veröffentlichten Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm würde die weitgehende Umsetzung der UN-Konvention zur sogenannten Inklusion bundesweit 660 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten. Unterm Strich müssten nämlich mehr als 9300 Lehrer neu eingestellt werden, um die Pläne innerhalb des kommenden Jahrzehnts umzusetzen, ergab die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellte Studie.
Vor drei Jahren trat die UN-Konvention in Kraft, die eine Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem vorschreibt. Derzeit gibt es in Deutschland knapp eine halbe Million verhaltensauffällige, lern- oder körperbehinderte Schüler, die besonderen Förderbedarf haben. Bundesweit stieg der Anteil der inklusiv unterrichteten Förderschüler im Schuljahr 2010/2011 im Vergleich zum Vorjahr von 20,1 auf 22,3 Prozent, wie es in der Studie heißt. Zwischen den Ländern gibt es allerdings große Unterschiede: Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein. Hier besuchen 49,9 Prozent aller lern- oder körperbehinderten Schüler eine reguläre Schule. Schlusslicht ist Niedersachsen mit 8,5 Prozent. Die von Klemm errechnete Summe bezieht sich nur auf die Personalkosten, nicht etwa auf Umbaumaßnahmen. Dazu kämen Kosten für rund 85 000 besonders schwer in Regelschulen integrierbare Schüler, die der Bildungsökonom zunächst herausgerechnet hat.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/222255.inklusion-nicht-zum-nulltarif.html