nd-aktuell.de / 19.05.2012 / Kultur / Seite 26

Der ganz reale Irrsinn

Am 28. Mai ist es 25 Jahre her, dass der Jüngling Rust mit seinem kleinen Flugzeug gen Osten aufbrach, um das große Sowjetreich der Lächerlichkeit preiszugeben. Schon immer waren es die Verrückten, die dem Irrsinn den Spiegel am Besten vorhalten konnten. Unerkannt flog Mathias Rust damals über viele tausend Kilometer nach Moskau. Die sowjetische Flugabwehr versagte. Das wäre heutzutage aufgrund modernster Überwachungstechnik nicht mehr möglich - aber auch nicht notwendig. Was damals das Militär qua Auftrag hätte erledigen müssen (aber nicht erledigt hat), haben im digitalen Zeitalter die Massenmedien sich zur Aufgabe gemacht: Wenn einer abhebt, wird er schneller als er Dieter Bohlen sagen kann, zurück auf den Boden des ganz realen Irrsinns geholt. Wer kennt eigentlich noch den Namen des ersten Siegers der ersten Ausgabe von »Deutschland sucht den Superstar«? jam