Seit sechs Jahren präsentiert das Institute for Economics & Peace (IEP) in Sydney den sogenannten Weltfriedensindex. Er gilt als einer der umfassendsten Reports für die globale Entwicklung. Mithilfe von 23 separaten Indikatoren versuchen die Wissenschaftler, aktuelle innerstaatliche und grenzüberschreitende Konflikte ebenso messbar zu machen wie die gesellschaftliche Sicherheit und Militarisierung in nunmehr 158 Ländern. Dabei zeige sich eine deutliche Verschiebung der Prioritäten, sagt Steve Killelea, Gründer und Chef des IEP. Während die Staaten im Außenverhältnis weniger auf militärische Mittel setzten und sich stärker wirtschaftlich bekämpften, sei die Zahl der innerstaatlichen Konflikte gestiegen. Das sei auch an der Zunahme terroristischer Akte abzulesen, in deren Folge sich die Zahl der Todesopfer seit 2003 verdreifacht habe. Weltweit verringerte Militärausgaben gehörten dagegen zu den positiven Entwicklungen.
Regional gesehen konstatieren die Wissenschaftler allerdings erhebliche Unterschiede. So habe es im subsaharischen Afrika »beeindruckende« Fortschritte gegeben. Länder wie Madagaskar, Gabun und Botsuana werden hier als Beispiele genannt. Die Zahl der Kriege sei gesunken, die Afrikanische Union habe sich um wirtschaftliche und politische Integration bemüht, womit die Region in der Statistik erstmals seit 2007 den letzten Platz verlassen konnte. Auch Sri Lanka beweise, dass ein Weg aus dem Bürgerkrieg möglich sei. Dagegen entwickelten sich der Nahe Osten und Nordafrika im Untersuchungszeitraum zur am wenigsten friedlichen Region der Welt. Die Umstürze und Unruhen in Ägypten, Tunesien oder Syrien stünden für diesen Trend.
Friedvollste Region bleibt nach den GPI-Indikatoren Westeuropa, auch wenn es hier in der Länderstatistik durchaus bemerkenswerte Veränderungen gab. Norwegen etwa fiel erstmals aus den Top 10. Island, Dänemark, Neuseeland, Kanada und Japan gelten mit ihrem hohen Schutz- und Sicherheitsniveau als besonders harmonische Gesellschaften mit geringem Konfliktpotenzial im Inneren wie nach außen. In dieser Reihe landet Deutschland auf Platz 15; Griechenland ist das unsicherste Land in der EU (Platz 77). Die USA und China nehmen demnach die Plätze 88 und 89 ein. Das unsicherste Land weltweit jedoch bleibe das von Bürgerkrieg und Terror geplagte Somalia, wobei Sudan und Afghanistan kaum friedlicher seien. Den größten Absturz in dieser Länderstatistik machte Syrien, das um 30 Positionen auf Platz 147 fiel. »Wäre das Jahr 2011 friedlich geblieben, hätte die Welt neun Billionen Dollar gespart«, schätzt das Institut. Das ist das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland und Japan zusammengenommen.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/229879.nur-ein-bisschen-frieden.html