Das Vorhaben der Ministerin ist durchaus begrüßenswert. Mit einem Gesetzpaket will Ursula von der Leyen gegen die zunehmende Altersarmut vorgehen. Doch solche Paketlösungen haben ihre Tücken. Allein schon der Sammelbegriff Selbstständige für mehr als vier Millionen Freiberufler gaukelt eine Homogenität vor, die es so gar nicht gibt. Die Spanne reicht vom Internethändler, der jährlich Millionen verdient, bis zum selbstständigen Bauhelfer, der ohne die Zuschüsse vom Jobcenter nicht über die Runde kommen würde. Angesichts dieser Diskrepanzen scheint ein Rentenmodell für alle Selbstständigen ohnehin illusorisch.
Wer etwas für die eine Million Selbstständigen tun will, die maximal 1500 Euro pro Monat verdienen und so kaum Geld für eine Vorsorge übrig haben, sollte den Hebel woanders ansetzen. Wieso etwa führt der Erhalt eines Gewerbescheines automatisch zum Ausschluss aus der gesetzlichen Versicherung? Zudem könnte man bei vielen Selbstständigen die Akzeptanz für die Vorsorgemodelle erhöhen, wenn sich die Höhe der Beiträge nach dem tatsächlichen Einkommen richten würde. Hier müsste der Gesetzgeber handeln, anstatt sich in komplizierten Paketlösungen zu verlieren. Allerdings kommen solche pragmatischen Vorschläge nicht aus dem Ministerium, sondern vom linken Unternehmerverband OWUS.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/235443.woanders-ansetzen.html