nd-aktuell.de / 13.07.1991 / Politik / Seite 2

1 .ESERBRIEFE

Die Planung, im Bereich der Mahnund Gedenkstätte Ravensbrück ein Gewerbegebiet auszubauen, ist ungeheuerlich. Aus den Worten des Bürgermeisters von Fürstenberg, Herrn Engler, „Es ist nicht mehr zu stoppen, weil Millionen an Entschädigung gezahlt werden müssen“ oder „Proteste von ehemaligen französischen KZ-Häftlingen laß ich nicht einmal übersetzen, weil die Amtssprache deutsch ist“ spricht nicht nur nationalistische Überheblichkeit, sondern sie sind auch von einer tiefen Mißachtung der blutgetränkten Erde in und um Ravensbrück geprägt. Die ehemaligen Häftlinge von Ravensbrück Paula Turczinski, Ottilie Lorenz und Elfriede Gebhardt, die in Röbel wohnen und Mitglieder unseres Kreisverbandes Waren sind, könnten Bücher über ihre grausame Zeit schreiben...

Wir fordern im Namen der 92 000 ermordeten Frauen aus 20 Nationen Europas: Hände weg von der Gedenkstätte Ravensbrück! Stop aller Baumaßnahmen und Wahrung der Rechte der Mahn- und Gedenkstätte!

Siegfried Klebbe, Vorsitzender des Kreisverbandes des Bundes der Antifaschisten Waren/Röbel e.V.