nd-aktuell.de / 21.10.1995 / Brandenburg / Seite 19

Klingende Börse

Kennen Sie viereckige Blockflöten, überdies von besonders großem Format? Herbert Petzold aus einem Ort namens Markt Wald hat sie auf Lager. Nicht seine Erfindung. „Nur“ Kopien historischer Instrumente. Wie alles, das heute von 10 bis 17 Uhr im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Mitte dichtgedrängt ausgestellt wird.

91 Firmen aus aller Welt kommen mit Kopien und Nachbauten. Es ist der mittlerweile größte Musikinstrumentenmarkt seiner Art des Kontinents, wenn nicht gar der Welt, wie der Niederländer Arnold Riesthuis berichtet. Der muß es wissen. An sich hatten in diesem Punkte seine Landsleute, z.B. in Utrecht, den Rekord.

Mustermesse und Verkaufsausstellung zugleich, das ist Marktprinzip. Mit vielen Prospekten, der Möglichkeit des Ausprobierens. Und so ist es denn immer eine klingende Börse. Renaissance- und Barocklauten aus Cremona, wo auch berühmte Geigenbauer lebten, Bögen aus den USA, Klanghölzer aus Großbritannien, deutsche Drehleiern. Kontrabässe führt ein Amsterdamer.

Es ist stets ein Volksfest. Und wenn man das große Geld für kostbare Instrumente auch nicht mitbringen kann, vielleicht reicht's ja für eine Maultrommel?

LUCIE WALTER