nd-aktuell.de / 07.01.1997 / Politik / Seite 12

Musik zum Sehen

Günter Görtz

Der Jazz ist die wohl individuellste Form der Musikausübung. Wie kaum in einem anderen Musikgenre sind hier instrumentale bzw vokale Ausübung und Persönlichkeitsausstrahlung miteinander verknüpft. Der Habitus des Interpreten spiegelt oft die musikalisch-geistige Welt des Akteurs. Jazzer haben Mut zur gnadenlosen Subjektivität. Und das gilt durchaus nicht nur für die Modernen. Das Vergnügen am Jazz-Hören wird durch das Sehen noch erhöht, die Kommunikation mit dem Publikum wird durch den Blickkontakt noch vertieft. Fotograf Matthias Creutziger liebt diese Musik, seinen Bildern »hört« man es an. Er ist ein Kenner der nationalen und internationalen Szene. Mit der Kamera hat er die Acts Prominenter und weniger Prominenter verfolgt und legt das Ergebnis in einem sehenswerten Buch mit 112 Schwarzweiß-Fotos vor -Musik zum Sehen.

Die Fotos haben Atmosphäre, vermitteln den Charakter des Musikers und seiner Kunst. In dem bewußt knapp gehaltenen Textteil des Buches beschreiben die Jazz-Fachmänner Bert Noglik und Mathias Bäumel auf treffende Art die Arbeitsweise des Fotografen, erläutern erfreulich zurückhaltend die Ästhetik des sensiblen »Lichtbildners»

Matthias Creutziger, JAZZPHOTOGRA-PHIE, wölke verlags gmbh, 120 Seiten, geb. 98 DM, brosch. 68 DM.