nd-aktuell.de / 29.11.2012 / Brandenburg / Seite 11

Charité will Mitarbeiter überprüfen

Martin Kröger

Die Leitung der Charité zieht Konsequenzen aus dem Missbrauchsverdacht gegen einen Pfleger, der vor zwei Wochen eine 16-Jährige auf der Rettungsstation in Wedding sexuell missbraucht haben soll. »Wir haben die Überprüfung aller Beschäftigten beschlossen, die in sensiblen Bereichen arbeiten«, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsklinik, Karl Max Einhäupl, gegenüber der »Berliner Morgenpost«. Insgesamt will die Klinikleitung 1000 Mitarbeiter überprüfen lassen. Das sind vor allem jene Beschäftigten, die regelmäßig Umgang mit Kindern oder Psychiatrie-Patienten haben. »Wir werden von jedem ein erweitertes Führungszeugnis anfordern«, so Einhäupl, der die Überprüfung damit rechtfertigte, dass der jüngste Einzelfall dazu veranlassen müsse, solch ein Risiko für alle Zeiten zu minimieren.

Über die Prüfung der Mitarbeiter hinaus hat die Klinikleitung einen Acht-Punkte-Plan erarbeitet. Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte in den vergangenen Tagen die Charité zum Handeln gedrängt. Zu den acht Maßnahmen zählen unter anderem eine Kampagne für Respekt und Achtsamkeit und die Erarbeitung eines Präventionskonzeptes gegen sexuelle Übergriffe. Außerdem soll ein anonymes Sorgentelefon eingerichtet werden. Ob die angedachten Maßnahmen ausreichen, soll die seit Anfang dieser Woche eingesetzte Expertenkommission um die Ex-Bundesjustizministerin Brigitte Zypries bewerten. Generell geht die Charité davon aus, dass es angesichts der hohen Mitarbeiterzahl und der vielen Behandlungsfälle im Jahr »relativ häufig zu Übergriffen und sexueller Belästigung« kommt.

Die Ermittlungen zur Aufklärung des Missbrauch-Verdachts der Berliner Staatsanwaltschaft sind unterdessen ins Stocken geraten: Die 16-Jährige konnte bisher nicht zu den Vorwürfen angehört werden, schreibt der »Tagesspiegel«. Dass Opfer von sexueller Gewalt nicht aussagen wollen, ist indes nicht ungewöhnlich. Viele Betroffene schämen sich und wollen nicht, dass jedes Detail vor der Polizei oder gar der Öffentlichkeit offenbart wird.