nd-aktuell.de / 01.02.2013 / Politik / Seite 7

Angriff Israels auf Syrien

Kampfjets zerstörten Anlage bei Damaskus

Karin Leukefeld, Damaskus
Israelische Kampfflugzeuge haben am Mittwochmorgen einen Luftangriff auf Syrien geflogen. Nach Darstellung des Oberkommandos der syrischen Streitkräfte griffen die Kampfjets eine militärische Forschungsanlage in Jamraya, nördlich von Damaskus, an.

Der von Israel attackierte Komplex diene »der Verbesserung unseres Widerstandes und der Selbstverteidigung«, hieß es in der Stellungnahme, die am Mittwochabend im syrischen Fernsehen verbreitet wurde. Die Jets seien von Südlibanon her, nördlich des Jebl Scheich (Berg Hermon) in den syrischen Luftraum eingedrungen und hätten das syrische Radar unterflogen. Gebäude, Forschungsanlagen und Garagen seien zerstört worden. Zwei Personen wurden getötet, fünf weitere verletzt.

Westliche Nachrichtenagenturen wie AFP, AP und Reuters hatten unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, der Angriff habe einem Waffentransport für die libanesische Partei Hisbollah gegolten. In der Erklärung der syrischen Armee wird dies jedoch als »substanzlos« zurückgewiesen. Israel habe eine Forschungsanlage angegriffen und damit »offenkundig und dreist die Souveränität und den Luftraum Syriens verletzt«.

In ihrer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung bringt die syrische Armeeführung den israelischen Angriff in Verbindung mit den Angriffen bewaffneter Aufständischer auf Militär- und Luftverteidigungssysteme der Armee seit fast zwei Jahren. Mit dem Angriff auf die militärische Forschungseinrichtung sei klar geworden, dass »Israel der Anstifter, Nutznießer und manchmal auch der Vollstrecker terroristischer Aktionen« sei, denen Syrien und die Syrer ausgesetzt sind. Insbesondere »die Türkei und Katar« hätten sich dabei »zu Komplizen« gemacht. Die »internationale Gemeinschaft« werde sich zu dieser »israelischen Arroganz und Verletzung der syrischen Souveränität« verhalten müssen. Das russische Außenministerium bezeichnete die israelische Aktion als »nicht provozierte Angriffe auf Ziele auf dem Territorium eines souveränen Staates«.

Die iranische Regierung verurteilte den Angriff scharf. Es handle sich um eine »brutale Aggression«, sagte Außenminister Ali Akbar Salehi am Donnerstag. Die Aktion sei im Sinne westlicher Politik, die eine Stabilisierung Syriens nicht wolle. Die Hisbollah sprach von einem Versuch Israels, »jeden arabischen und muslimischen Staat davon abzuhalten, eigene technologische und militärische Fähigkeiten zu entwickeln«. Der Chefredakteur des Internportals Syria Tribune sagte dem russischen Sender Russia Today, die Attacke folge gezielten Angriffen bewaffneter Gruppen, die seit »sieben Monaten Stellungen der militärischen Luftabwehr bei Damaskus« angegriffen hätten. Dies zeige, »dass Israel großes Interesse an der Instabilität Syriens hat. Und dabei helfen ihm Gruppen bewaffneter Rebellen in Syrien.«

Die syrische Gesellschaft für die Vereinten Nationen verurteilte den Angriff der Kampfjets als Bruch des Völkerrechts und Missachtung der syrischen Souveränität. Der Vorsitzende der Gesellschaft, George Jabbour, forderte in einer Stellungnahme den UN-Sicherheitsrat auf, das Vorgehen Israels zu verurteilen und Strafmaßnahmen zu verhängen.

2007 hatten israelische Kampfjets im Norden Syriens einen Rohbau zerstört. Israel behauptete damals, es habe sich um eine mit Hilfe Nordkoreas errichtete Nuklearanlage gehandelt. Syrien hat das stets zurückgewiesen.