Wer so wenig Hoffnung auf Erfolge einheimischer Athleten hegt, wie die Italiener bei den WM im Val di Fiemme, kann sich besser mit den Gästen freuen. Die Herzen der Skifreunde im Trentino gehören den Norwegern, spätestens seit am Samstag noch Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg vorbeikam und seine Landsleute anfeuerte: Im rot-schwarzen Anorak mischte er sich unters Publikum und schaute den Langläufern zu.
Die freiwilligen Helfer in Val di Fiemme, die wie ihre Landsleute am Sonntag und Montag bei den Parlamentswahlen ihre Stimme abgeben sollen, waren begeistert: »So ungezwungen würde sich ein italienischer Politiker niemals geben«, sagte eine von ihnen, »die sind oft nur peinlich und hochnäsig.«
Wie Stoltenberg gaben sich auch die Langläuferinnen am Samstag alle Mühe, den Ruhm der Norweger zu mehren: Im Skiathlon (7,5 km klassisch, 7,5 Kilometer Freistil) belegten sie gleich die Plätze 1, 2, 3 und 4. Marit Bjørgen gewann dabei ihren zehnten Weltmeistertitel und hielt dabei Therese Johaug drei Sekunden auf Abstand. Gut 14 Sekunden dahinter bezwang Heidi Weng ihre Teamkollegin Kristin Størmer Steira im Duell um die Bronzemedaille auf der Strecke. Die Polin Justyna Kowalczyk, Weltmeisterin von 2009 in Liberec, wurde trotz aller Mühe nur Fünfte (+27 s) und bekannte: »Da war nichts zu machen.«
Dass im dopingträchtigen Skilanglauf die Dominanz einer Nation zumeist wenig Gutes verheißt, wollte an diesem Tag niemand zu bedenken geben. Womöglich war es für die Norweger gar nicht so schlecht, dass der überragende Schweizer Langläufer Dario Cologna im Skiathlon über 30 Kilometer endlich seinen ersten WM-Titel gewann. Denn auch hier herrschte eine erstaunliche norwegische Dominanz: 2. Martin Johnsrud Sundby, 3. Sjur Røthe, 4. Petter Northug. Die Skeptiker dürfen also spekulieren.
Im Skisprung hingegen endete am Wochenende eine lange Zeit des Wartens. Der altgediente Anders Bardal konnte mit 30 Jahren tatsächlich seinen erste Goldmedaille in einem Großwettbewerb bejubeln. Mit Sprüngen auf 103,5 und 100,0 m verwies er den besten Springer der Saison, den Österreicher Gregor Schlierenzauer, auf Platz zwei. Bronze sicherte sich überraschend der Slowene Peter Prevc vor Severin Freund aus Rastbüchl, der sich mit dem medaillenlosen vierten Rang begnügen musste.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/813971.ohne-dass-es-peinlich-wird.html