Vor seiner Präsentation als Mann für die Energiepolitik im Kompetenzteam von Peer Steinbrück verbrauchte Matthias Machnig kräftig Energie: Er düste mit Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) zu Wirtschaftsgesprächen nach China. Genützt hat es ihm nichts. Am Mittwoch wurde er dem Wahlkampfunterstützerkreis des SPD-Kanzlerkandidaten zugeordnet.
Eine Entscheidung ganz im Sinne des 52-jährigen Sauerländers, darf man vermuten. Denn der strebt gewöhnlich nach Größerem. So verwunderte es schon, als der einstige SPD-Bundesgeschäftsführer 2009 im mühsam gezimmerten CDU/SPD-Kabinett das Wirtschaftsressort in Thüringen übernahm. Doch sofort profilierte er sich hier als Macher, trieb die eigenen Genossen wie die oft betuliche Regierungschefin vor sich her. Im Monatstakt versandte sein Haus neue Politikinitiativen. Machnig gefiel sich als Erneuerer mit bundesweiter Ausstrahlung. So stoppte er Fördermittel an Unternehmen mit zu hoher Leiharbeitsquote, engagiert sich für Mindestlöhne und Einheitsschule, will Thüringen das Image eines Niedriglohnstandortes und einer verlängerten Werkbank nehmen.
Ohnehin ficht Machnig überraschend ambitioniert für seine neue Rucksackheimat Ost. Erst 2012 forderte er eine »Wiederentdeckung des Ostens«, so durch eine stärkere Kapitalausstattung der Unternehmen, mehr Fachkräfte, weiterhin hohe Förderquoten. Zudem benannte er eindringlich wie kein oststämmiger Ministerpräsident ein Gerechtigkeitsdefizit in Sachen Energiewende. Denn die Kosten für den Transport des Ökostroms vom Osten, wo er bereits im ungenutzten Übermaß erzeugt wird, in die großen Verbrauchszentren West tragen bislang allein die Erzeugerregionen. Ergo zahlen Ostdeutsche deutlich höhere Energiepreise. So startete Machnig, der zuvor Umweltstaatssekretär in Berlin war, eine Bundesratsinitiative für eine faire Kostenverteilung. »Sonst wird das mit der Energiewende nichts«, sagte er.
Bei alledem macht Machnig nicht nur Politik, er verkauft er sie auch gern - mit sonorem Bass und großer Geste. Das beförderte auch schnell den Aufstieg des Arbeitersohns in der SPD. Nach dem Soziologiestudium verdingte er sich zunächst in Bundestagsbüros. Dann wurde er Büroleiter des damaligen Düsseldorfer Arbeitsministers Franz Müntefering, folgte diesem auch in die Bundesparteizentrale, wo er später als Koordinator des SPD-Wahlkampfzentrums »Kampa« maßgeblich die beiden Kanzlererfolge von Gerhard Schröder managte. In jener Zeit erwarb er sich den Ruf eines »harten Hundes«. Viele Genossen erinnern sich ungern seiner zuweilen hartherzig-resoluten Art, so auch bei der »Aktion Fallbeil«, mit der er vor Jahren der schwächelnden SPD an Rhein und Ruhr eine umfassende Strukturreform verordnete. Kampagnenfähigkeit contra Nestwärme hieß die Zäsur, mit der er die Bezirksverbände abschaffte.
Auch in Thüringen liebt man ihn nicht, respektiert ihn eher aus einer Mischung aus Bewunderung, Argwohn und Wunderglaube. Ob Unternehmer oder Gewerkschafter - allen ist das IG-Metallmitglied Machnig ein wenig suspekt. Denn wenn ihm etwas missfällt, greift er sofort durch.
Bei alledem gilt er als Meister darin, gute Meldungen aus seinem Beritt mehrfach zu verkaufen. Gelernt hat er das wohl in einem Intermezzo ab 2002 als Unternehmensberater. Dennoch wurde er dabei nicht glücklich. Statt Firmengewinne zu maximieren, sagt er im Rückblick, wolle er eine Politik machen, die die Gesellschaft »in eine bestimmte Richtung entwickelt«. Dazu hofft er »die Marktwirtschaft wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen« und zugleich »wieder eine positive Vorstellung von Staatlichkeit zu entwickeln«. Erforderlich hierfür hält Machnig den »Kampf um die Mitte«, wobei er eigene Vorstellungen vom Begriff Mitte pflegt: Sie sei dort, »wo die Deutungshoheit über gesellschaftliche Fragen liegt«. So will er die SPD darauf trimmen, diese Deutungshoheit »von links« zurückzuerlangen.
Kernpunkte eines Positionspapiers, das Machnig mit SPD-Chef Sigmar Gabriel zu Jahresbeginn in die parteiinterne Debatte warf, sind Entlastungen sozial Schwacher, eine verkürzte Arbeitszeit und die Stärkung der Binnennachfrage. Einkommensstarke Haushalte will er durch höhere Erbschafts- und Schenkungssteuern stärker zur Kasse bitten, zudem die Vermögenssteuer wieder einführen.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/823587.der-energiemann.html