Des Menschen Wille ist in erster Linie »radikale Selbstvervollkommnung«, erkannte der Amerikaner A.J. Jacobs. Er folgt »extremsten Empfehlungen« des Gesundheitssektors, merkt aber schnell, dass es unter Experten Widersprüche gibt. So versucht er, aus allem das Beste zusammen zu klauben. Er landet bei der mediterranen Speisevariante, benutzt einen Didgeridoo zur Stärkung der Rachenmuskulatur, besucht einen Lach-Yoga-Kurs und vertieft sich in Meditation, um den Herzschlag zu senken.
Jacobs ist radikal. Er hält seiner Frau die Hand wie noch nie, weil das den Stress senkt, und geht zum Baseballspiel, um den Blutdruck auszubalancieren. Seine drei Söhne müssen ihr Kindergeschirr hergeben, damit der Vater seine Essportionen genau berechnen kann. Er joggt mit Helm zum Supermarkt, registriert mit dem Schrittzähler jeden seiner Schritte und misst an Kreuzungen den Verkehrslärm. Zwischendurch macht er Klimmzüge an den Ampeln, was seinen Kindern peinlich ist. Er schafft sich ein »Miniaturschlaflabor für den Hausgebrauch«, geht wie ein Teufelsaustreiber auf Chemikalien los und gerät in Panik, wenn er an die Keime denkt, die ihn und die Seinen attackieren.
Am Ende kann er nicht mehr, - vor lauter Gesundheit ist er krank geworden. Er sieht ein, dass der Mensch ein unzulängliches Wesen ist, dem mit Zucht und Ordnungsfuror nicht beizukommen ist. Das Buch ist amüsant, verhilft zum Einblick in die Forschung und endet beim allzu Menschlichen. Was sympathisch ist.
A.J. Jacobs: »Saufit - Von einem, der auszog, nie wieder krank zu werden.« Ullstein, Berlin, 512 S., 19,99 €.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/831337.nie-wieder.html