Washington. Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat nach eigenen Angaben keine geheimen Dokumente mit nach Russland genommen. Er habe alle Dokumente über die immensen Spähaktivitäten des US-Geheimdienstes NSA an Journalisten übergeben, die er in Hongkong vor seinem Flug nach Moskau getroffen habe, sagte Snowden[1] der »New York Times« vom Donnerstag. Geheimdokumente mit sich zu nehmen, hätte »nicht dem öffentlichen Interesse« gedient. Russland habe also keinen Zugriff auf die NSA-Dokumente.
Snowden versicherte, dass auch der chinesische Geheimdienst während seines Aufenthalts in Hongkong keinen Zugriff auf seine Unterlagen gehabt habe. Er habe die Dokumente vor einem Zugriff Pekings schützen können, weil er als NSA-Mitarbeiter unter anderem auf China angesetzt gewesen sei. »Die Chance, dass die Russen oder die Chinesen irgendein Dokument erhalten haben, liegt bei null Prozent«, versicherte Snowden. Er trat damit von US-Behördenvertretern und anderen Kritikern seiner Enthüllungen geäußerten Befürchtungen entgegen, dass NSA-Dokumente in die Hände fremder Geheimdienste gefallen sein könnten.
Snowden hatte im Juni damit begonnen, geheime Informationen über umfangreiche Spähprogramme, mit denen der US-Geheimdienst NSA und andere Nachrichtendienste weltweit massenhaft E-Mails und Telefonate überwachen, an die Tageszeitungen »Washington Post« aus den USA und »Guardian« aus Großbritannien weiterzugeben. Er flüchtete aus den USA zunächst nach Hongkong und erhielt schließlich in Russland Asyl. Wegen der Enthüllungen wird der 30-Jährige von den USA per Haftbefehl gesucht. AFP/nd