Klaus-Michael Kühne ist prominent in Hamburg - aber nicht beliebt. Dafür tut der Boss eines der weltgrößten Logistikkonzerne viel: Ohne Amt mischt er sich seit Jahren in die sportlichen Belange seines Lieblingsfußballvereins ein, finanziert dem HSV kaufmannsschlau namhafte Spieler, an deren Transferrechten er beteiligt bleibt; gibt der Lokalpresse neunmalkluge Interviews über Trainer, Klub und die Wirtschaftspolitik des Senats und setzte mit der brachialen Finanzgewalt eines Krösus’ die Umwandlung der sportlich wie wirtschaftlich angeschlagenen Fußballabteilung des Hamburger Sportvereins in eine Aktiengesellschaft durch - gegen den Willen der anderen Sparten. Seinen Kronprinzen Karl Gernandt inthronisierte er als Aufsichtsratschef.
Nun ließ er es sich nicht nehmen, die Räume für die Trainertragödie um Mirko Slomka bereitzustellen, die am Dienstagabend mit der Einsetzung des bisherigen Jugendtrainers Josef Zinnbauer endete. Die Entscheidung über die erste Entlassung in der Bundesligasaison 2014/2015 fiel in der Deutschlandzentrale von Kühne + Nagel am Großen Grasbrook im Hamburger Hafen.
Mit einem vom »Manager Magazin« auf fünf Milliarden Euro bezifferten Vermögen gehört Kühne zu den reichsten Deutschen. Doch schon der Vater hatte 1969 den Firmensitz von Kühne + Nagel ins schweizerische Schindellegi verlegt, um Steuern zu sparen. Knauserig gegenüber dem Fiskus bleib auch der Sohn: Der in Hamburg geborene 77-Jährige lebt nahe des Zürichsees.
Immer wieder versuchte Kühne seine »Verbundenheit mit der Stadt« zu demonstrieren. Er beteiligte sich als Privatmann an der Rettung der Traditionsreederei Hapag-Lloyd, gab Millionen für die TU Harburg oder riss das in die Jahre gekommene »Interconti« an der Alster ab, um bis 2016 einen Luxustempel bauen zu lassen.
Nicht nur unter Fußballfreunden, auch unter hanseatischen Kaufleuten stößt Kühnes Selbstherrlichkeit auf Ablehnung. Und bislang gibt dem Schulkameraden des Liedermachers Wolf Biermann nicht einmal der Erfolg recht: Der HSV ist Tabellenletzter.
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/946329.egomane.html