nd-aktuell.de / 28.02.2015 / Kultur / Seite 9

Kämpferisch

Volkstheater Rostock

Trotz des Beschlusses der Rostocker Bürgerschaft zu weitreichenden Strukturveränderungen am Volkstheater hat das Ensemble die Hoffnung auf den Erhalt des renommierten Hauses nicht aufgegeben. Die Mitarbeiter seien aber zunächst sehr betroffen, sagte der kaufmännische Geschäftsführer des Volkstheaters, Stefan Rosinski, nach einer Betriebsversammlung am Donnerstag. Daran nahmen rund 180 der insgesamt 270 Theaterbeschäftigten teil. Es gebe ein Zeitfenster bis September, in dem das neue Konzept konkretisiert werden soll. »Dann wird sich zeigen, was davon überhaupt umsetzbar ist«, sagte er. Der Vorschlag sei in der Tiefe noch nicht durchgedacht.

Nach dem Willen der Bürgerschaft soll aus dem Vier- ein Zwei-Sparten-Theater werden. Schauspiel und Konzertwesen arbeiten eigenständig, Musik- und Tanztheater sollen mit anderen Bühnen kooperieren. Nach Einschätzung von Gegnern könnte diese Vorlage zur raschen Schließung der zwei Sparten führen. Fraglich sei auch, ob das Volkstheater in dieser Größe überlebensfähig ist. Nach Angaben Rosinskis würden mehr als 80 der aktuell 270 Stellen abgebaut. Er ging aber nicht davon aus, dass nun rasch viele Mitarbeiter abspringen werden. »Wir haben zwei Spielzeiten mit der vollen Besatzung vor uns.«

Die für Samstag angesetzte Premiere der Oper »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« werde von den Vorgängen nicht unbeeindruckt bleiben. »Wir werden nicht so tun, als sei nichts«, sagte Rosinski. »Es wird Statements geben.« Intendant Sewan Latchinian habe in der Versammlung die Mitarbeiter aufgerufen, nicht zu trauern, sondern zu kämpfen. Er selbst werde das Haus nicht abwickeln. Rosinski zitierte den Intendanten mit den Worten: »Solange das Schiff mit voller Mannschaft fährt, wird der Kapitän das Schiff nicht verlassen.«

Auch der von Sybille Bachmann vom Rostocker Bund ins Spiel gebrachte Bürgerentscheid zur Rettung des Theaters sei weiter im Gespräch. Auch müsse weiter das Gespräch mit der Bürgerschaft gesucht werden, um möglicherweise im Herbst eine neue Abstimmung herbeiführen zu können. dpa/nd