nd-aktuell.de / 19.05.2015 / Politik

Ein »Weckruf« zum Weghören

Co-Vorsitzende Konrad Adam vergleicht Luckes Initiative mit Zeugen Jehovas / Partei sperrt Zugang zu Mailverkehr

Berlin. Der Co-Vorsitzende der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), Konrad Adam, hat die Pläne von Parteigründer Bernd Lucke für seine Positionierung im Flügelkampf der Partei scharf kritisiert. Zu der Interessengemeinschaft, die Lucke laut einem Medienbericht mit seinen Mitstreitern gründen will, sagte Adam in der »Bild«-Zeitung (Dienstagsausgabe): »Der Name 'Weckruf 2015' ist wirklich kurios. Er erinnert an die Zeugen Jehovas oder an die Heilsarmee mit ihren Zeitschriften wie 'Erwachet'.« Das passe in diesem Fall allerdings gut.

»Denn es gibt AfD-Mitglieder, die eine Partei mit einem Missionsbetrieb verwechseln«, kritisierte Adam. Sie wollten »bestimmte Ansichten, nämlich ihre, um jeden Preis durchsetzen«. Dabei sei »Politik doch immer die Kunst des Möglichen und des Kompromisses«.

Wenige Stunden nachdem der Flügel um den Parteichef Lucke seine Kampagne gegen rechtsnationale Kräfte in der AfD gestartet hatte, ließen Adam und die Co-Vorsitzenden Frauke Petry und Luckes Zugang zum Mail-Verteiler der Partei sperren. Als sich Lucke daraufhin beim Administrator der AfD beschwerte, blockierte dieser nach Angaben von Parteisprecher Christian Lüth vom Dienstag bis auf weiteres für alle den Zugriff auf die Mitglieder-Datenbank.

Lucke und seine Mitstreiter, die Europa-Abgeordneten Hans-Olaf Henkel, Bernd Kölmel, Joachim Starbatty und Ulrike Trebesius, wollen am Dienstag in Straßburg Stellung beziehen und vor Journalisten ihre Vorstellungen von der Zukunft der Partei darlegen. Laut einem Bericht der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (Dienstagsausgabe) soll die Interessengemeinschaft »Weckruf 2015« gegründet werden, um dem rechtskonservativen Flügel der Partei entgegenzutreten.

Die AfD wird seit längerem von einer schweren Führungskrise erschüttert. Dabei stehen sich der wirtschaftsliberale Flügel um Lucke und der national-konservative Flügel um die Ko-Vorsitzende Frauke Petry gegenüber. Agenturen/nd