Wie hatte man sich in den 1970er Jahren im westdeutschen Fernsehen eine Frau vorzustellen, die die Verhältnisse durchschaut und dennoch das große Drama, das man Ehe nennt, geduldig erträgt; die ihrem Ehemann bezüglich Alltagstauglichkeit haushoch überlegen ist, ihn dies aber zu keinem Zeitpunkt spüren lässt; eine Frau also, die nicht heraus will aus dem knechtischen System, eben weil sie um den Vorteil dieses Systems weiß, dass Unfreiheit auch Sicherheit bedeutet und die sklavische Unterwerfungsgeste nichts anderes als die subtile Demonstration der Macht über den Mann ist? Esther Vilar, die Anti-These zu Alice Schwarzers Feminismus, sprach in jener Zeit vom »dressierten Mann« und erntete heftigen Widerspruch. Elisabeth Wiedemann aber ließ sich von ihrem TV-Gatten Alfred Tetzlaff fortwährend als »dusslige Kuh« beschimpfen und zog dennoch im Hintergrund die Fäden. Die Serie hieß »Ein Herz und eine Seele« und Elisabeth Wiedemann war als Else Tetzlaff beides: Herz und Seele. So spielte man vor 40 Jahren ein emanzipiertes Hausmütterchen.
Elisabeth Wiedemann war ursprünglich Theaterschauspielerin. 1951 holte sie Gustaf Gründgens an das Düsseldorfer Schauspielhaus. Ihren letzten TV-Auftritt hatte sie in einem 2011 in der ARD ausgestrahlten Liebesfilm. jam
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